Wer einen Barbershop eröffnen will, muss zuerst Meisterpflicht, Standort, Kosten und Behördenkette klären. Dieser Leitfaden zeigt dir in 10 Schritten, wie du rechtssicher gründest — von Voraussetzungen bis Kassensystem und Marketing.

Wer einen Barbershop eröffnen will, sollte nicht mit Einrichtung oder Branding starten — sondern mit der Frage, ob der geplante Leistungsumfang ohne Meister erlaubt ist oder ob Meisterbrief, Betriebsleitung oder Ausnahmebewilligung nötig sind. Erst danach folgen Konzept, Standort, Businessplan, Kosten, Behörden, Ausstattung, digitale Systeme und Marketing.
Die folgende Checkliste fasst den gesamten Weg auf einer Seite zusammen. Jeder Schritt verlinkt auf den ausführlichen Abschnitt weiter unten. Die Zeitachse rechnet rückwärts vom geplanten Eröffnungstag (T-0).
💡 Merke: Die Reihenfolge ist eine Empfehlung. Je nach Stadt, Bundesland, Handwerkskammer und Rechtsform kann sich die Abfolge verschieben. Kontaktiere die für dich zuständige Handwerkskammer früh — sie ist die wichtigste Anlaufstelle bei der Frage, ob und in welcher Form du eintragungspflichtig bist.
Kann man einen Barbershop ohne Meister eröffnen? Die ehrliche Antwort lautet: in den meisten Fällen nicht automatisch. Das Friseurhandwerk steht in Anlage A der Handwerksordnung (HwO) und ist damit zulassungspflichtig. Sobald du Herrenhaarschnitte, Kopfrasuren oder Bartrasuren mit der Klinge anbietest, wird das in der Praxis regelmäßig als wesentliche Tätigkeit des Friseurhandwerks eingeordnet — mit der Folge, dass eine Eintragung in die Handwerksrolle nötig ist.
Bevor du einen Mietvertrag unterschreibst oder Stühle bestellst, solltest du diese Frage geklärt haben. Ein Termin bei der Betriebsberatung deiner Handwerkskammer ist kostenlos und spart dir später vier- bis fünfstellige Korrekturen.
Die entscheidende Frage ist nicht, wie sich dein Shop nennt — sondern was du am Kunden tust. Drei Bereiche musst du sauber unterscheiden:
Wer also „nur Bart" plant, sollte sich nicht auf pauschale Aussagen aus Foren verlassen. Die Kammern in Deutschland handhaben Grenzfälle uneinheitlich. Maßgeblich ist immer die schriftliche Einschätzung der für deinen Standort zuständigen HWK.
⚠️ Achtung: Wer ohne Eintragung das Friseurhandwerk ausübt, riskiert ein Bußgeld und in schweren Fällen die Schließung des Betriebs durch die Kreisverwaltungsbehörde oder das Ordnungsamt. Die Höhe richtet sich nach Dauer und Schwere des Verstoßes und kann im fünfstelligen Bereich liegen.
Du musst nicht zwingend selbst Meisterin oder Meister sein, um einen Barbershop ohne Meisterbrief zu eröffnen. Die Handwerksordnung kennt mehrere Wege, mit denen du dich auch ohne eigenen Titel eintragen lassen kannst. Welcher Weg für dich offensteht, hängt von Qualifikation und Berufserfahrung ab.
Für viele Gründer:innen ist die angestellte Betriebsleitung der pragmatischste Weg. Sie schafft Rechtssicherheit, ist aber mit laufenden Personalkosten verbunden — und die Person muss tatsächlich im Betrieb präsent sein und fachlich führen. Reine Strohmann-Konstruktionen werden von den Kammern und vom Zoll regelmäßig aufgegriffen.
Neben der handwerksrechtlichen Berechtigung verlangen Banken, Förderinstitute und Vermieter:innen einen Nachweis deiner persönlichen Eignung. Dazu gehören Berufserfahrung im Friseur- oder Barbier-Handwerk, kaufmännisches Grundverständnis, Belastbarkeit und eine geordnete Bonität. Wer hier ehrlich auf Lücken schaut, kann sie früh schließen — zum Beispiel über einen Existenzgründungskurs der HWK oder IHK.
👉 Tipp: Vereinbare so früh wie möglich einen Termin mit der Betriebsberatung deiner Handwerkskammer. Bring Zeugnisse, Arbeitsverträge, Referenzen und ein erstes Konzept-Papier mit. Die HWK sagt dir schriftlich, welcher Eintragungsweg für dich realistisch ist — und welche Tätigkeiten du anbieten darfst.
Das Konzept entscheidet über fast alles, was danach folgt: erlaubter Leistungsumfang, Preisniveau, Einrichtung, Personalbedarf, Männerzielgruppe und Marketing. Wer den Konzeptschritt überspringt, baut Standort und Investition oft an der eigenen Kundschaft vorbei.
Für einen Barbershop sind drei Konzept-Achsen wichtig: Leistungsangebot, Atmosphäre/Positionierung und Zielgruppe. Diese drei Achsen müssen zusammenpassen — und sie müssen zur Antwort aus Schritt 1 passen.
Die wirtschaftlich und rechtlich wichtigste Entscheidung ist, ob du dich auf Bartpflege beschränkst oder das volle Spektrum eines Herrenfriseurs anbietest. Beides hat klare Folgen.
Ein klassischer Barbershop kombiniert mehrere Bausteine zu Paketen und Einzelleistungen. Je klarer du dein Angebot strukturierst, desto leichter werden Preisliste, Terminplanung und Marketing.
Die Atmosphäre deines Shops zieht eine bestimmte Männerzielgruppe an. Ein Premium-Studio in einer Geschäftslage spricht Businesskunden an, die Termine über Wochen vorausbuchen. Ein urbaner Walk-in mit Vintage-Ambiente trifft eher junge Männer aus dem Viertel. Beides funktioniert — aber Standort, Preis und Marketing müssen zur Positionierung passen.
👉 Tipp: Formuliere dein Konzept in einem einzigen Satz, der Angebot, Zielgruppe und Positionierung enthält. Beispiel: „Termin-Barbershop für stilbewusste Männer zwischen 30 und 55 im Geschäftsviertel mit klassischer Nassrasur und persönlicher Pflegeberatung." Dieser Satz wird später dein Filter für jede Entscheidung — vom Stuhl bis zur Instagram-Story.
Ein Barbershop lebt von lokaler Sichtbarkeit, Stammkundschaft und Wiederbesuchen. Der Standort entscheidet darüber, wie viele Termine du pro Woche füllen kannst — und wie hoch die Investition in Marketing sein muss, um genug Männer in den Shop zu bringen.
Bei der Standortwahl zählen zwei Ebenen: der Makrostandort (Stadtteil, Lage, Frequenz) und der Mikrostandort(konkrete Adresse, Schaufenster, bauliche Eignung).
Eine Lage ist nie pauschal gut oder schlecht — sie passt zu einem Konzept oder eben nicht. Diese Punkte solltest du prüfen:
Das einzelne Ladenlokal entscheidet über deine Investitionskosten und deinen Betriebsalltag. Prüfe vor jeder Unterschrift:
⚠️ Achtung: Unterschreibe keinen Mietvertrag, bevor Schritt 1 (Meisterpflicht) und die Klärung mit dem Bauamt abgeschlossen sind. Eine nachträglich verweigerte Nutzungsänderung oder eine nicht erteilte Eintragung in die Handwerksrolle kann den gesamten Mietvertrag zu einem teuren Fehler machen.
Ein Businessplan ist nicht nur ein Papier für die Bank — er ist dein wichtigstes Werkzeug, um zu prüfen, ob dein Konzept wirtschaftlich trägt. Auch bei vollständiger Eigenfinanzierung zwingt er dich, Annahmen sichtbar zu machen und Lücken früh zu erkennen.
Für einen Barbershop sind besonders wichtig: Leistungsangebot, Durchschnittsbon, Anzahl der Bedienplätze, Auslastung, Personalkosten, Standortkosten, Produktverkauf und Marketingplan.
Ein tragfähiger Businessplan enthält in der Regel diese Abschnitte:
Für die Erstellung deines Businessplans musst du nicht bei Null anfangen. Die folgenden Stellen bieten Vorlagen, Coachings und Feedback — oft kostenlos für Gründer:innen:
💡 Merke: Ein Businessplan ist kein einmaliges Dokument. Aktualisiere ihn nach den ersten drei Monaten mit echten Zahlen. So erkennst du früh, welche Annahmen tragen — und wo du nachsteuern musst.
Die Kosten für einen Barbershop hängen weniger vom Namen des Shops ab als von Fläche, Umbau, Anzahl der Bedienplätze, Meisterlösung und Liquiditätspuffer. Ein Barbershop kann kleiner und günstiger starten als ein klassischer Friseursalon — vor allem, wenn du mit einem oder zwei Bedienplätzen beginnst. Hochwertige Barber Chairs, Branding und Wareneinkauf treiben die Investition aber schnell nach oben.
Trenne deine Kalkulation in drei Blöcke: einmalige Gründungskosten, laufende Kosten und einen Liquiditätspuffer für die Anlaufphase.
Diese Kosten fallen einmalig vor und unmittelbar nach der Eröffnung an. Die Spannen variieren stark mit Standort, Größe und Ausstattungsniveau.
In Summe liegen die einmaligen Kosten für einen kleinen Barbershop typischerweise zwischen 15.000 und 45.000 Euro. Ein größerer, hochwertig ausgestatteter Shop kann auch 70.000 Euro und mehr erreichen.
Die monatlichen Fixkosten musst du ab Tag eins decken — unabhängig davon, wie viele Kunden tatsächlich kommen. Diese Posten gehören in deine Kalkulation:
Die wenigsten Gründer:innen finanzieren einen Barbershop komplett aus Eigenkapital. Üblich ist ein Mix aus mehreren Bausteinen:
⚠️ Achtung: Plane einen Liquiditätspuffer für mindestens drei, besser sechs Monate Fixkosten ein. Die meisten Barbershops erreichen ihre Soll-Auslastung nicht in den ersten Wochen, sondern erst nach vier bis neun Monaten. Wer ohne Puffer startet, gerät in der Anlaufphase schnell unter Druck — und das ist der häufigste Grund für eine frühe Schließung.
Preise dürfen nicht aus dem Bauch heraus entstehen. Sie müssen deine Fixkosten decken, einen fairen Unternehmerlohn enthalten und in deinem lokalen Markt durchsetzbar sein. Wer zu niedrig startet, kommt später kaum noch hoch — und arbeitet schnell unter Selbstausbeutung.
Die Logik ist einfach: Du rechnest deine monatlichen Fixkosten plus Unternehmerlohn plus Wareneinsatz zusammen. Diese Summe ist dein Mindestumsatz. Daraus leitest du ab, wie viele Kunden du pro Tag und Stuhl brauchst.
Beispielrechnung für einen kleinen Barbershop mit einem Bedienplatz:
Mit zwei Stühlen verteilen sich die Fixkosten — pro Stuhl reichen dann weniger Kunden, aber du brauchst mehr Personal oder mehr Eigenleistung.
Die Preise variieren stark nach Stadt, Stadtteil und Positionierung. Diese Spannen sind eine Orientierung, kein Richtwert.
Diese Frage lässt sich seriös nur in Bandbreiten beantworten — der Verdienst hängt von Auslastung, Standort, Personalstruktur und Wareneinsatz ab. Ein gut ausgelasteter Ein-Personen-Barbershop in einer mittleren Stadtlage kann 30.000 bis 60.000 Euro Jahresgewinn vor Steuern erwirtschaften. Größere Shops mit Angestellten erreichen mehr, tragen aber auch ein höheres Personalrisiko.
💡 Merke: Umsatz ist nicht Gewinn. Plane deinen Unternehmerlohn schon in der Kalkulation ein — sonst arbeitest du am Ende für deine Fixkosten und nicht für dich. Produktverkauf und Premium-Services verbessern die Marge oft deutlich stärker als reine Preiserhöhungen.
Die formale Gründung beginnt beim Barbershop nicht beim Gewerbeamt, sondern bei der Handwerkskammer. Erst wenn die HWK-Eintragung steht, machen Gewerbeanmeldung, Finanzamt und Berufsgenossenschaft Sinn. Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet Doppelarbeit und teure Nachbesserungen.
Welche Stellen genau zuständig sind, hängt von deiner Rechtsform und deinem Standort ab. Diese Tabelle zeigt die typische Abfolge.
Bei der Gewerbeanmeldung ist die Tätigkeitsbeschreibung wichtig. Sie sollte exakt das abbilden, was die HWK eingetragen hat — also zum Beispiel „Friseurhandwerk, spezialisiert auf Herrenhaarschnitte und Bartpflege". Eine zu enge oder zu weite Beschreibung kann später bei Kontrollen Probleme machen.
Die Rechtsform bestimmt Haftung, Gründungskosten, Buchführungspflichten und den Aufwand für Steuererklärungen. Für einen kleinen Barbershop reicht in den meisten Fällen das Einzelunternehmen — vor allem zum Start.
👉 Tipp: Ein Wechsel der Rechtsform ist später möglich. Viele starten als Einzelunternehmen und gründen erst bei der Skalierung eine UG oder GmbH. Lass dich vor der Entscheidung von einem Steuerberater oder einer Steuerberaterin durchrechnen, welche Form für deine Umsatz- und Gewinnerwartung am günstigsten ist.
Drei Versicherungen sind faktisch unverzichtbar:
Sinnvoll sind außerdem eine Rechtsschutzversicherung und — wenn du Online-Buchung und Kundendaten verwaltest — eine Cyber-Versicherung.
Ein Barbershop braucht ein klares Ambiente. Aber Einrichtung ist nicht nur Design — sie muss funktional planbar sein. Arbeitsplätze, Waschbereich, Werkzeugaufbewahrung, Handwaschplätze, Wartebereich, Lager und Abfall gehören in einen sauberen Grundriss.
Hygiene und Arbeitsschutz haben hier ein besonderes Gewicht, weil du mit Scheren, Maschinen und Rasierklingen direkt am Menschen arbeitest. Die Berufsgenossenschaft BGW gibt für Friseur- und Barbershops dazu klare Anforderungen vor.
Diese Posten gehören zur Grundausstattung. Spare nicht bei Barber Chairs und Werkzeugen — beides nutzt sich täglich ab und bestimmt die wahrgenommene Qualität.
Die BGW-Vorgaben für Friseur- und Barbershops umfassen mehrere Pflichtpunkte. Diese sollten in deinem Hygieneplan stehen:
⚠️ Achtung: Hygiene-Verstöße führen bei einer Kontrolle durch das Gesundheitsamt oder die BGW schnell zu Auflagen, Bußgeldern und im Wiederholungsfall auch zur vorübergehenden Schließung. Ein dokumentierter Hygieneplan, der für jeden Mitarbeitenden zugänglich ist, ist daher Pflicht — nicht Kür.
Ein Barbershop braucht ab dem ersten Tag saubere digitale Abläufe für Termine, Zahlungen, Kassenführung, Tagesabschluss und Kundendaten. Gerade bei einer Mischung aus Laufkundschaft, Stammkunden und Wiederbuchungen entscheidet die Organisation darüber, wie viele Stühle du wirklich auslasten kannst.
Die folgenden Systeme solltest du vor dem Soft Opening eingerichtet und getestet haben.
In Deutschland sind elektronische Kassensysteme verpflichtend mit einer TSE (Technische Sicherheitseinrichtung)ausgestattet und müssen den GoBD (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung) entsprechen. Für einen Barbershop heißt das konkret:
Männer zahlen heute überwiegend mit Karte oder Smartphone. Plane von Anfang an:
Eine Online-Terminbuchung reduziert Telefonate, glättet die Auslastung und erhöht die Wiederbuchungsquote. Wichtig sind:
Wer Kundendaten speichert, fällt unter die DSGVO. Stelle sicher, dass deine Software:
Sobald du Mitarbeitende beschäftigst, brauchst du eine saubere Zeiterfassung. Seit 2026 gelten für Friseur- und Kosmetikbetriebe zusätzliche Dokumentationspflichten — Details dazu im Abschnitt „Häufige Fehler und Risiken". Wer diese Pflichten von Anfang an digital abbildet, erfüllt sie ohne Mehraufwand.
👉 Tipp: Wähle ein Kassensystem, das Termine, Zahlungen, Kundendaten, Produktverkauf und Zeiterfassung in einer Lösung verbindet. Das spart dir täglich Zeit beim Wechsel zwischen Tools — und macht die Buchhaltung am Monatsende deutlich einfacher.
Ein Barbershop wird lokal gesucht. Männer tippen „Barbershop in der Nähe" oder den Namen ihres Stadtteils ein — selten landesweite Markennamen. Deshalb sind dein Google-Profil, deine Bewertungen, deine Website und dein Online-Terminlink wichtiger als breite Werbekampagnen.
Plane deine Sichtbarkeit so, dass dein Shop vier bis sechs Wochen vor der Eröffnung auffindbar wird. Wer erst am Eröffnungstag online geht, verliert die ersten zwei Monate Kundenanlauf.
Diese Bausteine sollten vor der Eröffnung stehen:
Für Barbershops funktionieren Instagram, TikTok und in geringerem Maße Facebook. Was wirkt:
Ein Soft Opening eine bis zwei Wochen vor der offiziellen Eröffnung gibt dir Zeit, die Abläufe zu testen — von der Terminbuchung über die Kasse bis zum Tagesabschluss. Lade Freunde, Familie und erste Kontakte zu reduzierten Preisen ein und sammle ehrliches Feedback.
Für die offizielle Eröffnung wirken diese Aktionen erfahrungsgemäß gut:
Wiederkehrende Kunden sind die wirtschaftliche Basis jedes Barbershops. Setze früh auf:
Die meisten Barbershops, die in den ersten ein bis zwei Jahren scheitern, scheitern nicht an fehlender Nachfrage — sondern an vermeidbaren Fehlern in der Vorbereitung. Wer die folgenden Punkte ernst nimmt, sortiert die größten Risiken früh aus.
Seit dem 1. Januar 2026 gelten für Friseur- und Kosmetikbetriebe — also auch für Barbershops — verschärfte Dokumentationspflichten zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. Die wichtigsten Punkte:
Verstöße können Bußgelder im fünfstelligen Bereich nach sich ziehen. Wer Zeiterfassung und Lohnbuchhaltung von Anfang an digital abbildet, erfüllt diese Pflichten ohne Mehraufwand.
In drei Situationen lohnt sich frühzeitige Fachberatung:
💡 Merke: Die meisten dieser Fehler kosten dich nicht das ganze Projekt — aber jeder einzelne verschiebt deinen Break-even um Monate. Eine Checkliste, die du vor jeder größeren Entscheidung durchgehst, ist die günstigste Versicherung gegen typische Gründerfehler.
In den meisten Fällen nicht ohne weitere Lösung. Sobald du Herrenhaarschnitte oder Bartrasuren mit der Klinge anbietest, ist eine Eintragung in die Handwerksrolle erforderlich. Ohne eigenen Meisterbrief geht das über eine angestellte Betriebsleitung mit Meisterbrief, eine Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO, eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO oder eine EU-Anerkennung nach § 9 HwO. Welcher Weg offensteht, entscheidet die zuständige Handwerkskammer im Einzelfall.
In den meisten Fällen ja — entweder du selbst oder eine angestellte Betriebsleitung mit Meisterbrief. Nur wenn du dein Angebot auf reine Bartpflege ohne Klinge und Produktverkauf beschränkst, kann die HWK in Einzelfällen entscheiden, dass keine Eintragung nötig ist. Verlasse dich nicht auf pauschale Foren-Aussagen, sondern hole eine schriftliche Einschätzung deiner zuständigen Handwerkskammer ein.
Du brauchst eine handwerksrechtliche Berechtigung (Meisterbrief, Betriebsleitung oder Ausnahme), ein klares Konzept, einen geeigneten Standort, einen Businessplan, ausreichend Kapital, eine Gewerbeanmeldung, die Eintragung bei der HWK, die Anmeldung bei Finanzamt und BGW, Pflichtversicherungen sowie ein digitales Kassen- und Terminsystem. Die genaue Reihenfolge zeigt die Checkliste am Anfang dieses Leitfadens.
Eröffnen darf grundsätzlich jede:r geschäftsfähige Erwachsene. Ausüben darfst du das Friseurhandwerk aber nur mit einer Berechtigung — also entweder mit eigenem Meisterbrief, mit einer angestellten meisterlichen Betriebsleitung oder mit einer Ausnahme nach §§ 7b oder 8 HwO. Wer in einem EU- oder EWR-Land eine vergleichbare Qualifikation erworben hat, kann diese in Deutschland anerkennen lassen.
Ohne jede Ausbildung oder Berufserfahrung ist ein Barbershop kaum realistisch. Du brauchst entweder eine eigene Qualifikation oder eine angestellte Betriebsleitung mit Meisterbrief. Eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO setzt vergleichbare Kenntnisse voraus — die musst du über Zeugnisse, Arbeitsverträge oder eine Sachkundeprüfung nachweisen können. Vor jeder Investition unbedingt mit der zuständigen Handwerkskammer sprechen.
Für einen kleinen Barbershop mit ein bis zwei Bedienplätzen liegen die einmaligen Gründungskosten typischerweise zwischen 15.000 und 45.000 Euro. Größere oder hochwertig ausgestattete Shops kommen schnell auf 70.000 Euro und mehr. Hinzu kommt ein Liquiditätspuffer für drei bis sechs Monate Fixkosten. Wer nur Barber Chairs und Werkzeuge einplant, übersieht in der Regel rund die Hälfte des tatsächlichen Kapitalbedarfs.
Der Verdienst hängt von Auslastung, Standort, Personalstruktur und Wareneinsatz ab und lässt sich seriös nur in Bandbreiten angeben. Ein gut ausgelasteter Ein-Personen-Barbershop in einer mittleren Stadtlage erwirtschaftet typischerweise 30.000 bis 60.000 Euro Jahresgewinn vor Steuern. Größere Shops mit Mitarbeitenden erreichen mehr, tragen aber auch ein höheres Personalrisiko. Umsatz ist nicht Gewinn — den Unternehmerlohn musst du immer einrechnen.
Die wichtigsten Stellen sind die Handwerkskammer (Eintragung in die Handwerksrolle), das Gewerbeamt, das Finanzamt und die Berufsgenossenschaft BGW. Je nach Räumen kommen Bauamt (Nutzungsänderung) und Gesundheitsamt dazu. Bei Mitarbeitenden brauchst du eine Betriebsnummer der Agentur für Arbeit. Wer als UG oder GmbH gründet, muss zusätzlich zum Notar und ins Handelsregister.
Wer das Friseurhandwerk ohne Eintragung in die Handwerksrolle ausübt, betreibt eine unerlaubte Handwerksausübung. Die Folge sind Bußgelder, die je nach Dauer und Schwere des Verstoßes im fünfstelligen Bereich liegen können. Im Wiederholungsfall oder bei zusätzlichen Verstößen droht die Untersagung des Gewerbes durch die Kreisverwaltungsbehörde. Die Handwerkskammern und der Zoll mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) kontrollieren in diesem Bereich aktiv.

Ein erfolgreicher Barbershop entsteht aus drei Dingen: einer geklärten Meisterpflicht, einem tragfähigen Konzept und einer sauberen Kostenplanung. Wer früh mit der Handwerkskammer spricht, das eigene Angebot exakt zwischen Bartpflege, Bartrasur und Herrenhaarschnitt einordnet und Kosten konservativ kalkuliert, vermeidet die meisten existenzbedrohenden Fehler der ersten zwei Jahre.
Die Reihenfolge der 10 Schritte — Voraussetzungen, Konzept, Standort, Businessplan, Kosten, Preise, Behörden, Einrichtung, digitale Systeme, Marketing — ist kein Zufall. Sie hat sich in der Praxis bewährt. Besonders wichtig sind drei Hebel: ein realistischer Liquiditätspuffer für drei bis sechs Monate, eine schriftliche Klärung der Meisterpflicht vor jeder größeren Investition und eine vollständige Behördenkette, die mit der HWK beginnt — nicht beim Gewerbeamt.
Ab 2026 kommen für Friseur- und Kosmetikbetriebe zusätzliche Dokumentationspflichten dazu. Wer von Anfang an digitale Zeiterfassung, ein TSE-konformes Kassensystem und nachvollziehbare Personalprozesse etabliert, erfüllt diese Pflichten mit weniger Zusatzaufwand und ist bei späteren Kontrollen besser vorbereitet.
lg Christian und das Team von shoperate
Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafür aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
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