Der Wareneinsatz zeigt dir, wie viel dich die verkauften Waren tatsächlich kosten. In diesem Leitfaden lernst du die Formel, berechnest deine Wareneinsatzquote Schritt für Schritt und erfährst, welche Richtwerte für deine Branche gelten — inklusive konkreter Hebel, um deinen Wareneinsatz gezielt zu senken.

👉 Wareneinsatz = Anfangsbestand + Warenzugänge – Endbestand. Ein Café mit 18.000 € Anfangsbestand, 95.000 € Einkäufen und 14.000 € Endbestand hat einen Wareneinsatz von 99.000 €. Wie du die Formel Schritt für Schritt anwendest, deine Wareneinsatzquote berechnest und mit Branchenrichtwerten vergleichst, erfährst du in den folgenden Abschnitten.
Der Wareneinsatz ist der Wert aller Waren, die dein Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum verkauft oder verbraucht hat — bewertet zum Einstandspreis. Er zeigt dir, wie viel dich die verkauften Waren tatsächlich gekostet haben, bevor du Personalkosten, Miete oder andere Ausgaben einrechnest.
In der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) erscheint der Wareneinsatz als Teil des Materialaufwands. Er wird vom Umsatz abgezogen und ergibt so den Rohertrag — also den Betrag, der dir nach Abzug der reinen Warenkosten bleibt.
In der Praxis wird der Begriff vor allem im Handel und in der Gastronomie verwendet. In Produktionsbetrieben spricht man eher von Materialaufwand — gemeint ist aber dasselbe Prinzip. Der englische Fachbegriff lautet „Cost of Goods Sold" (COGS), wobei COGS nach US-GAAP auch Personal- und Gemeinkosten umfasst und damit weiter gefasst ist als der deutsche Wareneinsatz.
💡 Tipp: Der Wareneinsatz ist die wichtigste Kennzahl, um deine Einkaufseffizienz zu bewerten. Je niedriger er im Verhältnis zum Umsatz ist, desto mehr bleibt für Fixkosten und Gewinn übrig.
Wie berechnet man den Wareneinsatz? Die Grundformel ist einfach aufgebaut:
👉 Wareneinsatz = Anfangsbestand + Warenzugänge – Endbestand
Du nimmst also den Wert deines Lagers zu Beginn des Zeitraums, addierst alle Einkäufe und ziehst den Wert ab, der am Ende noch im Lager liegt. Die Differenz ist der Wareneinsatz — also das, was tatsächlich verkauft oder verbraucht wurde.
In der Praxis kommen häufig noch weitere Positionen dazu. Die erweiterte Formel berücksichtigt diese:
👉 Wareneinsatz = Anfangsbestand + Warenzugänge – erhaltene Skonti + Bezugskosten – Endbestand
Zu den Bezugskosten zählen unter anderem Frachtkosten, Zölle, Transportversicherungen und Verpackungskosten. Erhaltene Skonti (Preisnachlässe bei schneller Zahlung) werden abgezogen, weil sie deinen tatsächlichen Einstandspreis senken.
So ermittelst du den Wareneinsatz in 5 Schritten:
⚠️ Achtung: Ohne regelmäßige Inventur ist die Berechnung ungenau. Der Endbestand muss durch Zählung ermittelt werden — Buchbestände allein reichen nicht, weil Schwund, Verderb oder Diebstahl darin nicht abgebildet sind.
Ein Café hat folgende Zahlen für das Geschäftsjahr:
Rechnung: 18.000 + 95.000 – 1.500 + 2.500 – 14.000 = 100.000 €
Das Café hat im Geschäftsjahr Waren im Wert von 100.000 € verbraucht. Bei einem Nettoumsatz von 380.000 € ergibt sich ein Rohertrag von 280.000 € — also der Betrag, der nach den reinen Warenkosten für Personal, Miete, Energie und Gewinn übrig bleibt.
💡 Merke: Der Wareneinsatz allein sagt noch wenig aus. Erst im Verhältnis zum Umsatz — also als Wareneinsatzquote — wird er zur echten Steuerungsgröße.
Die Wareneinsatzquote zeigt dir, welcher Anteil deines Umsatzes fĂĽr den Wareneinkauf aufgewendet wird. Sie ist die zentrale Kennzahl fĂĽr die Einkaufseffizienz deines Betriebs.
Wareneinsatzquote = (Wareneinsatz Ă· Nettoumsatz) Ă— 100
Im Café-Beispiel: (100.000 € ÷ 380.000 €) × 100 = 26,3 %
Das bedeutet: Von jedem Euro Umsatz gehen rund 26 Cent an Warenkosten. Die restlichen 74 Cent stehen fĂĽr alle weiteren Kosten und den Gewinn zur VerfĂĽgung.
Die Handelsspanne ist das GegenstĂĽck zur Wareneinsatzquote:
Handelsspanne = 100 % – Wareneinsatzquote
Im Beispiel: 100 % – 26,3 % = 73,7 %
Was ist eine gute Wareneinsatzquote? Das hängt stark von der Branche ab. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Wareneinsatzquote, desto höher die Marge. Aber eine sehr niedrige Quote kann auch auf zu hohe Verkaufspreise hindeuten — und damit auf weniger Kunden.
👉 Tipp: Vergleiche deine Wareneinsatzquote regelmäßig mit den Branchenrichtwerten. Liegt sie deutlich darüber, lohnt sich ein genauer Blick auf Einkaufspreise, Schwund und Portionsgrößen.
Ob deine Wareneinsatzquote „gut" oder „zu hoch" ist, hängt von der Branche ab. Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte aus der Richtsatzsammlung des deutschen Bundesfinanzministeriums (Stand 2022):
Richtwerte variieren stark nach Konzept, Preislage, Standort, Eigenproduktionsanteil und Waste-Quote. Wichtiger als der Vergleich mit der Branche ist die Entwicklung deiner eigenen Quote über die Zeit — steigt sie, solltest du die Ursachen suchen.
⚠️ Achtung: In Deutschland nutzt das Finanzamt diese Richtsätze für Plausibilitätsprüfungen. Weicht deine Quote deutlich ab, kann das Rückfragen bei der Betriebsprüfung auslösen.
👉 Hinweis für Österreich: Eine vergleichbare zentrale Richtsatzsammlung gibt es in Österreich nicht. Orientiere dich hier vor allem an deinen eigenen historischen Werten und am Branchenvergleich innerhalb deines Verbands oder deiner Einkaufsgemeinschaft.
In der Gastronomie hat der Wareneinsatz besondere Bedeutung — und besondere Tücken. Anders als im Handel arbeitest du mit verderblichen Waren, variierenden Portionsgrößen und Verlusten, die im Tagesgeschäft leicht untergehen.
Food und Beverage getrennt berechnen. Speisen und Getränke haben unterschiedliche Margen. Ein Restaurant mit Bar hat typischerweise bei Getränken eine niedrigere Wareneinsatzquote (ca. 20 %) als bei Speisen (ca. 28–32 %). Nur wenn du beide Bereiche separat trackst, erkennst du, wo tatsächlich Marge verloren geht.
Versteckte Kostenfresser kennen. In vielen Betrieben gibt es Positionen, die den Wareneinsatz unbemerkt in die Höhe treiben:
💡 Merke: Viele Gastronomiebetriebe kennen ihren tatsächlichen Wareneinsatz nicht, weil diese versteckten Positionen nicht erfasst werden. Schon eine wöchentliche Bestandskontrolle der wichtigsten Warengruppen kann Schwund um bis zu 5 % senken.
Wareneinsatz pro Gast ist eine weitere nĂĽtzliche Kennzahl:
👉 Wareneinsatz pro Gast = Wareneinsatz (€) ÷ Anzahl Gäste
Damit kannst du tagesgenau vergleichen, ob dein Wareneinsatz stabil bleibt — oder ob er an bestimmten Tagen, bei bestimmten Schichten oder nach Speisekarten-Änderungen steigt.
Ein zu hoher Wareneinsatz frisst deine Marge. Die gute Nachricht: Es gibt konkrete Stellschrauben, an denen du drehen kannst.
1. Einkaufspreise verhandeln. Vergleiche regelmäßig die Preise deiner Lieferanten — mindestens einmal pro Quartal. Schon kleine Preisunterschiede summieren sich über ein Jahr. Rahmenverträge mit festen Konditionen geben dir Planungssicherheit.
2. Lagerhaltung straffen. Zu viel Bestand bindet Kapital und erhöht das Risiko von Verderb. Bestelle häufiger in kleineren Mengen, statt seltener große Mengen einzulagern. Prüfe deinen Mindestbestand und passe ihn an die tatsächliche Nachfrage an.
3. Sortiment bereinigen. Nicht jedes Produkt lohnt sich. Analysiere, welche Artikel eine niedrige Marge haben und gleichzeitig wenig Umsatz bringen. Streiche LadenhĂĽter konsequent aus dem Sortiment oder der Speisekarte.
4. Portionsgrößen einhalten. In der Gastronomie ist Überportionierung einer der häufigsten Gründe für einen zu hohen Wareneinsatz. Standardisierte Rezepturen mit festen Grammangaben helfen, die Kosten pro Gericht konstant zu halten.
5. Wareneingänge kontrollieren. Prüfe jede Lieferung bei Annahme auf Vollständigkeit, Qualität und korrekte Bepreisung. Falsche Mengen oder beschädigte Ware, die nicht reklamiert wird, erhöhen deinen Wareneinsatz direkt.
6. Digitale Systeme nutzen. Ein Warenwirtschaftssystem oder ein Kassensystem mit integrierter Lagerverwaltung gibt dir Echtzeit-Überblick über Bestände, Verbräuche und Einkaufskosten. Automatische Bestandsführung reduziert Fehler und spart Zeit bei der Inventur.
👉 Tipp: Starte nicht mit allen sechs Hebeln gleichzeitig. Identifiziere den größten Kostentreiber in deinem Betrieb und optimiere dort zuerst. In den meisten Fällen sind es Einkaufspreise oder Schwund.
Inhaltlich beschreiben beide Begriffe dasselbe: den Wert der verbrauchten Güter in einem Zeitraum. Wareneinsatz wird im Handel und in der Gastronomie verwendet — hier kaufst du fertige Waren ein und verkaufst sie weiter. Materialaufwand ist der Begriff im produzierenden Gewerbe, wo Rohstoffe zu neuen Produkten verarbeitet werden. In der GuV erscheinen beide unter der Position „Materialaufwand".
Der Wareneinsatz wird über das Wareneinkaufskonto erfasst. Beim Einkauf buchst du den Betrag auf das Wareneinkaufskonto (Soll) gegen Verbindlichkeiten oder Bank (Haben). Am Jahresende ermittelst du den tatsächlichen Wareneinsatz über die Inventur. Die Differenz zwischen Einkäufen und Bestandsveränderung ergibt den Wareneinsatz, der in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließt.
Teile den gesamten Wareneinsatz eines Zeitraums durch die Anzahl der Gäste im selben Zeitraum. Formel: Wareneinsatz (€) ÷ Anzahl Gäste = Wareneinsatz pro Gast. Diese Kennzahl hilft dir in der Gastronomie, den Warenverbrauch unabhängig von Umsatzschwankungen zu bewerten und Ausreißer zu erkennen.
Ja — indirekt. Schwund, Verderb und Diebstahl senken deinen Endbestand, ohne dass ein Verkauf stattgefunden hat. Dadurch steigt der rechnerische Wareneinsatz automatisch. In der Formel (Anfangsbestand + Zugänge – Endbestand) fließt jeder Verlust ein, egal ob er durch Verkauf, Verderb oder Fehlmengen entstanden ist. Genau deshalb ist eine regelmäßige Inventur so wichtig: Nur so erkennst du, welcher Anteil deines Wareneinsatzes tatsächlich Umsatz erzeugt hat — und welcher nicht.
Grundsätzlich gilt: mindestens monatlich, in der Gastronomie idealerweise wöchentlich für die umsatzstärksten Warengruppen. Eine jährliche Berechnung reicht nicht aus, um rechtzeitig auf Abweichungen zu reagieren. Je häufiger du den Wareneinsatz überprüfst, desto schneller erkennst du Schwund, Preisänderungen oder Fehler bei der Bestellung.

Der Wareneinsatz ist eine der wichtigsten Kennzahlen für jeden Betrieb, der mit Waren arbeitet — ob Gastronomiebetrieb, Einzelhandel oder Dienstleister mit Materialverbrauch. Die Grundformel (Anfangsbestand + Zugänge – Endbestand) ist einfach, aber nur so gut wie die Daten dahinter. Ohne regelmäßige Inventur und saubere Erfassung aller Warenbewegungen bleibt der Wareneinsatz eine Schätzung.
Entscheidend ist nicht der absolute Betrag, sondern die Wareneinsatzquote im Verhältnis zum Umsatz. Sie zeigt dir, ob du effizient einkaufst, ob Schwund ein Problem ist und wo du konkret ansetzen kannst. Vergleiche deine Quote regelmäßig mit den Branchenrichtwerten — Abweichungen nach oben sind ein klares Signal, genauer hinzuschauen.
Wer seinen Wareneinsatz aktiv steuert statt nur einmal im Jahr zu berechnen, erkennt Probleme früher, verhandelt besser mit Lieferanten und schützt seine Marge. Der wichtigste Schritt: Anfangen, regelmäßig messen und die Zahlen als Entscheidungsgrundlage nutzen.
lg Christian und das Team von shoperate
Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafĂĽr aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
Teste jetzt shoperate einen Monat gratis und unverbindlich. Anmelden, downloaden, loslegen!