Abschreibung (AfA)

Berechnung, AfA-Tabelle, Beispiele

Letztes Update:
12.1.2026

Abschreibung (AfA)

Christian

Christian

Gründer von shoperate

Die smarte Registrierkasse

Eine Abschreibung bedeutet: Du kaufst etwas für den Betrieb und verteilst den Preis auf die Jahre, in denen du es nutzt. Steuerlich heißt das AfA. Dadurch wird dein Gewinn nicht im Kaufjahr „verzogen“, sondern realistisch über die Nutzungszeit verteilt.

Abschreibung (AfA)

Abschreibung: Definition und Bedeutung

Eine Abschreibung verteilt die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts über mehrere Jahre. Du setzt die Kosten also nicht komplett im Kaufjahr ab, sondern schrittweise über die Zeit, in der du das Gut im Betrieb nutzt.

Steuerlich heißt das meist AfA. AfA steht für Absetzung für Abnutzung. Gemeint ist der jährliche (im Startjahr oft zeitanteilige) Aufwand, der entsteht, weil sich ein Wirtschaftsgut durch Nutzung wirtschaftlich „verbraucht“.

Warum das wichtig ist:

  • Steuern: Der Aufwand verteilt sich über Jahre, statt ein Jahr stark zu belasten.
  • Planung: Du kannst Investitionen besser in Budgets und Preis-Kalkulationen einbauen.
  • Vergleichbarkeit: Jahreszahlen werden aussagekräftiger, weil Investitionen nicht alles verzerren.

Wie funktioniert Abschreibung?

Abschreibung folgt immer derselben Logik. Du triffst nacheinander drei Entscheidungen und bekommst daraus deinen Abschreibungsplan.

  1. Anschaffungskosten festlegen: Ausgangspunkt ist, was dich das Wirtschaftsgut insgesamt gekostet hat, um es betriebsbereit nutzen zu können.
  2. Nutzungsdauer bestimmen: Du legst fest, über wie viele Jahre du die Kosten verteilst. Als Orientierung dient häufig die AfA-Tabelle (AV).
  3. Methode wählen: Im Standardfall wird linear abgeschrieben. Degressiv kann unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein und wird weiter unten sauber abgegrenzt.

Abschreibung berechnen: Formel + Vorgehen

Für eine saubere Abschreibung brauchst du drei Werte: Anschaffungskosten, Nutzungsdauer und Startzeitpunkt. Die Formel ist einfach. Entscheidend ist, dass die Eingaben stimmen.

💡 Merke: Wenn Anschaffungskosten, Nutzungsdauer und Startzeitpunkt sauber sind, ist der Abschreibungsplan fast immer korrekt.

1) Anschaffungskosten festlegen

Die Abschreibung rechnet in der Regel auf Basis der Anschaffungskosten. Dazu gehören typischerweise:

  • Kaufpreis
  • Anschaffungsnebenkosten, die direkt zur Anschaffung gehören (z. B. Lieferung, Versand, Montage)
  • notwendiges Zubehör, ohne das das Wirtschaftsgut nicht betriebsbereit nutzbar ist

Netto oder brutto?

  • Mit Vorsteuerabzug rechnest du meistens mit Netto-Anschaffungskosten.
  • Ohne Vorsteuerabzug rechnest du in der Regel mit Brutto-Anschaffungskosten.

⚠️ Achtung: Netto zu rechnen, obwohl du keinen Vorsteuerabzug hast, ist einer der häufigsten Praxisfehler.

2) Nutzungsdauer bestimmen

Die Nutzungsdauer ist die Anzahl der Jahre, über die du die Anschaffungskosten verteilst. Sie wird häufig über die AfA-Tabelle als Orientierung gewählt.

Aus der Nutzungsdauer kannst du dir den AfA-Satz ableiten:
AfA-Satz (linear) = 1 ÷ Nutzungsdauer

Beispiel: 5 Jahre Nutzungsdauer → 1/5 = 20% pro Jahr

💡 Merke: Nutzungsdauer ist ein steuerlicher Orientierungswert. Nicht „wie lange das Gerät physisch hält“.

3) Startzeitpunkt klären (zeitanteilige Abschreibung)

Eine der häufigsten Fragen ist: Ab wann beginnt die Abschreibung?

Praxisregel: Abschreibung beginnt ab dem Zeitpunkt, ab dem du das Wirtschaftsgut betriebsbereit nutzen kannst. Das kann vom Kaufdatum abweichen, zum Beispiel wenn Lieferung oder Montage später erfolgt.

Im Anschaffungsjahr wird häufig zeitanteilig gerechnet. Du bekommst dann nicht automatisch die volle Jahres-AfA, sondern nur den Anteil für die Monate ab Beginn der betrieblichen Nutzung bis Jahresende.

⚠️ Achtung: „Rechnung im März“ heißt nicht automatisch „AfA ab März“. Entscheidend ist die Betriebsbereitschaft.

Lineare Abschreibung: Formel (Jahr und Monat)

Jahres-AfA (linear)
= Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer (Jahre)

Monats-AfA (linear)
= Jahres-AfA ÷ 12

AfA im Anschaffungsjahr (zeitanteilig)
= Monats-AfA × Monate ab Betriebsbereitschaft bis 31.12.

💡 Merke: Zeitanteil rechnest du über Monate, nicht über Tage, wenn du mit der üblichen Monatslogik arbeitest.

Degressive Abschreibung: Rechenlogik (ohne Rechtsdetails)

Wenn degressive AfA zulässig ist, rechnest du auf den Restbuchwert:

Jahres-AfA (degressiv)
= Restbuchwert zu Jahresbeginn × degressiver AfA-Satz

💡 Merke: Degressiv startet stärker und flacht ab, weil der Restbuchwert jedes Jahr kleiner wird.

Schritt-für-Schritt-Rechenweg (einheitlich)

  1. Anschaffungskosten bestimmen (netto/brutto korrekt)
  2. Nutzungsdauer festlegen
  3. Jahres-AfA berechnen
  4. Startzeitpunkt festlegen (betriebsbereit)
  5. AfA im Anschaffungsjahr zeitanteilig berechnen
  6. Folgejahre fortführen, bis die Anschaffungskosten ausgeschöpft sind
  7. Letztes Jahr als Restbetrag ausgleichen (Rundungen)

Pro Tipp: Rundungen sauber im letzten Jahr ausgleichen, damit die Summe exakt den Anschaffungskosten entspricht.

Beispiel: lineare Abschreibung mit zeitanteiligem Start

Anschaffungskosten: 2.400 EUR netto

Nutzungsdauer: 3 Jahre

Betriebsbereit ab September (4 Monate bis Jahresende)

  • Jahres-AfA = 2.400 ÷ 3 = 800 EUR
  • Monats-AfA = 800 ÷ 12 = 66,67 EUR
  • AfA im Jahr 1 = 66,67 × 4 = 266,68 EUR
  • AfA Jahr 2 = 800 EUR
  • AfA Jahr 3 = 800 EUR
  • Letztes Jahr = Restbetrag, damit die Summe exakt 2.400 EUR ergibt

Typische Rechenfehler (und wie du sie vermeidest)

  • Netto/Brutto verwechselt: Vorsteuerabzug ignoriert oder falsch angenommen
  • Startmonat falsch: Kaufdatum statt Betriebsbereitschaft angesetzt
  • Nutzungsdauer geraten: falscher AfA-Tabellen-Eintrag oder keine Begründung
  • Nebenkosten/Zubehör falsch: notwendige Nebenkosten nicht einbezogen
  • Rundungen ignoriert: Endsumme passt nicht exakt zu den Anschaffungskosten
  • Schwellenwerte übersehen: GWG oder Sammelposten wäre möglich, aber normal abgeschrieben

⚠️ Achtung: Wenn GWG oder Sammelposten möglich ist, ändert sich die Behandlung komplett. Das kommt später im eigenen Abschnitt.

AfA-Rechner: So rechnest du schnell selbst

Ein AfA-Rechner setzt die Regeln strukturiert um. Er braucht wenige Eingaben und liefert dir Jahreswerte, zeitanteilige Werte und Restbuchwerte.

💡 Merke: Im Rechner-Abschnitt geht es um Inputs und Outputs. Die Herleitung der Formeln steht im Abschnitt „Abschreibung berechnen“.

Eingaben (Input)

  • Anschaffungskosten (netto oder brutto)
  • Datum der Betriebsbereitschaft
  • Nutzungsdauer (Jahre)
  • Methode (linear oder degressiv, falls zulässig)
  • Optional: degressiver AfA-Satz

Ergebnisse (Output)

  • Jahres-AfA
  • AfA im Anschaffungsjahr (zeitanteilig)
  • Kumulierte AfA
  • Restbuchwert je Jahr
  • Abschreibungsplan (Jahr 1 bis Ende)

Pro Tipp: Wenn du nur schnell prüfen willst, ob deine Jahreswerte plausibel sind, reichen Anschaffungskosten, Nutzungsdauer und Startmonat.

AfA-Rechner-Formeln

Ergebnis im AfA-Rechner Formel (Logik) Benötigte Eingaben
Jahres-AfA (linear) Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer (Jahre) AK, ND
Monats-AfA (linear) Jahres-AfA ÷ 12 Jahres-AfA
AfA im Anschaffungsjahr (zeitanteilig) Monats-AfA × Monate ab Betriebsbereitschaft bis 31.12. Monats-AfA, Startmonat
Restbuchwert Jahresende Anschaffungskosten − kumulierte AfA AK, AfA-Summe
Kumulierte AfA Summe(AfA Jahr 1 … Jahr n) AfA je Jahr
Jahres-AfA (degressiv) Restbuchwert Jahresbeginn × degressiver Satz RBW, Satz
Wechselpunkt (optional) wenn lineare AfA auf Restbuchwert > degressive AfA RBW, ND-Rest, Satz

Excel-Struktur: Spalten für einen AfA-Plan

Spalte Bedeutung Beispiel-Formel (Excel)
B Anschaffungskosten (AK) manuell
C Nutzungsdauer (ND) manuell
E Jahres-AfA linear =B2/C2
F Monate im Jahr (Startjahr) manuell (1–12)
G AfA im Jahr =E2/12*F2
H Kumulierte AfA =SUMME($G$2:G2)
I Restbuchwert =B2-H2

⚠️ Achtung: Wenn du degressiv rechnest oder den Wechselpunkt abbilden willst, brauchst du zusätzliche Spalten (Restbuchwert Jahresbeginn, degressiver Satz, Vergleich linear vs. degressiv).

Lineare Abschreibung

Die lineare Abschreibung ist der Standardfall. Du verteilst die Anschaffungskosten gleichmäßig über die Nutzungsdauer. Die Formel (Jahres-AfA, Monats-AfA, zeitanteilig im Anschaffungsjahr) steht bereits im Abschnitt „Abschreibung berechnen“.

Linear ist besonders dann passend, wenn du stabile, gut planbare Jahreskosten willst und das Wirtschaftsgut über die Jahre ähnlich genutzt wird.

💡 Merke: Die lineare AfA startet ab Betriebsbereitschaft. Details zur zeitanteiligen Berechnung findest du im Abschnitt „Abschreibung berechnen“.

Beispiel lineare AfA

Du kaufst eine Kasse für 1.920 EUR. Übliche Nutzungsdauer laut AfA-Orientierung: 5 Jahre. Betriebsbereit ab Mai.

  • Jahres-AfA (linear) ergibt sich aus Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer
  • Im Anschaffungsjahr setzt du nur die Monate ab Mai bis Dezember an
  • In den Folgejahren läuft die lineare AfA mit dem vollen Jahresbetrag weiter

Pro Tipp: Für die Praxis reicht oft ein Mini-Check: „Betriebsbereit ab welchem Monat?“ plus „Nutzungsdauer plausibel aus AfA-Tabelle?“. Dann stimmt der Plan in 95% der Fälle.

Wann ist lineare Abschreibung sinnvoll?

Situation Lineare Abschreibung ist meist sinnvoll, wenn … Warum
Standard-Investition (IT, Kasse, Einrichtung) du keine Sonderregeln nutzen willst oder musst einfach, anerkannt, gut planbar
Gleichmäßige Nutzung über Jahre das Gut nicht „am Anfang extrem“ genutzt wird Kostenbild passt zur Nutzung
Budgetierung / Preiskalkulation du fixe jährliche Kostenblöcke brauchst stabile Werte für Kalkulation
Viele Anschaffungen du Prozesse standardisieren willst weniger Fehlerquellen als Spezialmethoden

⚠️ Achtung: Wenn die Anschaffung in GWG oder Sammelposten fällt, ist „linear normal abschreiben“ oft nicht die beste oder sogar nicht die gewählte Behandlung. Das kommt im eigenen GWG/Pool-Abschnitt, damit hier nichts doppelt wird.

Degressive Abschreibung

Die degressive Abschreibung startet mit höheren Abschreibungsbeträgen und wird jedes Jahr kleiner. Grund: Du rechnest mit einem festen Prozentsatz auf den Restbuchwert (Buchwert) und dieser sinkt jährlich.

💡 Merke: Degressiv ist vor allem ein Timing-Tool. Du ziehst mehr Aufwand in die ersten Jahre vor und entlastest damit früher den Gewinn.

Stand 2026: Was gilt in Deutschland?

Für bewegliche, abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (z. B. Maschinen, Büroausstattung, Kassentechnik) gilt: Degressive AfA ist möglich für Investitionen, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft oder hergestellt werden. Der Satz darf höchstens das Dreifache des linearen AfA-Satzes betragen und 30% nicht überschreiten.  

⚠️ Achtung: Degressiv gilt nicht automatisch für alles. Maßgeblich sind Art des Wirtschaftsguts (beweglich, abnutzbar) und der Anschaffungs-/Herstellungszeitpunkt.  

Was heißt „degressiv“ praktisch?

  • Du wählst einen Prozentsatz (innerhalb der Grenzen).
  • Du wendest ihn jedes Jahr auf den Restbuchwert zu Jahresbeginn an.
  • Der Abschreibungsbetrag sinkt dann automatisch, weil der Restbuchwert sinkt.

💡 Merke: Degressiv verändert nicht die gesamte Abschreibungssumme. Es verändert die Verteilung über die Jahre.

Wechsel degressiv → linear

In der Praxis wird häufig irgendwann zur linearen Abschreibung gewechselt, wenn das günstiger ist. Die Idee ist simpel: Du vergleichst in einem Jahr

  • degressive AfA auf den Restbuchwert
    gegen
  • lineare AfA auf den Restbuchwert verteilt auf die Restnutzungsdauer

Wenn die lineare Variante höher wäre, ist der Wechsel oft sinnvoll.

Pro Tipp: Der Wechsel ist kein Bauchgefühl. Es ist ein Vergleich „welcher Jahresbetrag ist höher?“.

Frage Prüfung Konsequenz
Degressiv weiterführen? Degressive AfA (Restbuchwert × Satz) ist höher mehr Aufwand im aktuellen Jahr
Zu linear wechseln? Lineare AfA (Restbuchwert ÷ Restjahre) ist höher Abschreibung wird oft schneller „fertig“

Degressive AfA bei Wohngebäuden (Sonderfall)

Für Wohngebäude gibt es eine eigene, getrennte Regelwelt. Im Rahmen des Wachstumschancengesetzes wurde eine degressive AfA von 5% eingeführt, gekoppelt an den Baubeginn innerhalb eines Zeitfensters. Das gehört inhaltlich in den Immobilien-Abschnitt, nicht in die „beweglichen Wirtschaftsgüter“.  

⚠️ Achtung: Bewegliche Wirtschaftsgüter (z. B. Maschine) und Wohngebäude (Bau) nicht vermischen. Sonst entstehen falsche Annahmen zur Zulässigkeit.

Wann lohnt sich degressiv typischerweise?

  • wenn du in den ersten Jahren hohe Gewinne erwartest und früh entlasten willst
  • wenn die Investition groß ist und du Liquidität/Steuerlast früher optimieren willst
  • wenn du den Wechselpunkt später aktiv nutzen willst

💡 Merke: Degressiv ist am stärksten am Anfang. Der Nutzen sinkt, je weiter du in der Nutzungsdauer bist.

AfA-Tabelle: Nutzungsdauer richtig wählen (Stand: 2026)

Die AfA-Tabelle hilft dir, die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines Wirtschaftsguts realistisch und finanzamtsfest zu bestimmen. Sie ist kein „Muss“, aber in der Praxis der Standard, weil sie eine nachvollziehbare Grundlage liefert.

💡 Merke: Die Nutzungsdauer ist ein steuerlicher Orientierungswert. Nicht die Frage, wie lange das Gerät „gefühlt“ hält.

Was ist die AfA-Tabelle genau?

Die wichtigste Referenz ist die AfA-Tabelle für die allgemein verwendbaren Anlagegüter (AfA-Tabelle „AV“) des Bundesfinanzministeriums. Sie gilt als Hilfsmittel für Anlagegüter, die in vielen Branchen vorkommen.

Zusätzlich gibt es Branchentabellen. Wenn ein Anlagegut sowohl in der allgemeinen Tabelle als auch in einer Branchentabelle vorkommt, hat in der Praxis häufig die Branchentabelle Vorrang.

⚠️ Achtung: „AfA-Tabelle“ ist nicht automatisch „1 PDF für alles“. Erst prüfen: allgemeine Tabelle oder Branchentabelle.

So findest du die richtige Nutzungsdauer in 4 Schritten

  1. Wirtschaftsgut sauber benennen
    Nicht „Gerät“, sondern z. B. „Registrierkasse“, „Notebook“, „Geschirrspülmaschine“, „Kühlschrank“.
  2. Passende Tabelle wählen
    Standardfall: AfA-Tabelle AV
    Wenn du klar in einem Spezialbereich bist: Branchentabelle (falls vorhanden)
  1. Eintrag suchen und Nutzungsdauer übernehmen
    Du nimmst die dort genannte Nutzungsdauer als Ausgangspunkt.
  2. Abweichung nur mit Begründung
    Wenn du kürzer oder länger abschreiben willst, brauchst du eine sachliche Begründung (z. B. besondere Nutzung, technische Gründe). Sonst ist die AfA-Tabelle die „sichere“ Linie.

Pro Tipp: Schreib dir intern 1 Satz zur Wahl der Nutzungsdauer auf („ND laut AfA-Tabelle AV, Position …“). Das spart Rückfragen.

Sonderfall „Computer & Software“: 1 Jahr statt AfA-Tabelle

In der AfA-Tabelle AV stehen Computer/Notebooks klassisch mit 3 Jahren.

Zusätzlich gibt es aber ein BMF-Schreiben, das für bestimmte Computerhardware und Betriebs-/Anwendersoftwareeine Nutzungsdauer von 1 Jahr zulässt (praktisch: vollständige Abschreibung innerhalb eines Jahres).  

💡 Merke: Bei IT gilt oft nicht „blind Tabelle“, sondern: prüfen, ob die 1-Jahres-Regel greift.

⚠️ Achtung: Diese 1-Jahres-Regel ist keine „neue Methode“, sondern eine akzeptierte kürzere Nutzungsdauer. Dokumentation hilft.  

KMU-Quicklist: häufige Anlagegüter und typische Nutzungsdauer

Anlagegut (Beispiele) Typische Nutzungsdauer (Jahre) Hinweis
Personalcomputer / Workstation3AfA-Tabelle AV; IT-Sonderregel prüfen
Notebook / Laptop3AfA-Tabelle AV; IT-Sonderregel prüfen
Drucker3Peripheriegerät
Scanner3Peripheriegerät
Bildschirm / Monitor3Peripheriegerät
Registrierkasse6typisch für Handel/Gastro
Kamera (z. B. Produktfotos, Doku)7AV-Tabelle
Projektor / Overhead-Projektor8AV-Tabelle
Kühleinrichtungen8z. B. Kühltechnik allgemein
Kühlschrank10typischer Küchen-/Betriebsbedarf
Geschirrspülmaschine7auch Gläserspülmaschinen
Büromöbel13z. B. Schränke, Tische, Ausstattung
Personenkraftwagen / Kombiwagen6Fahrzeuge: getrennt nach Typ
Lastkraftwagen9z. B. Liefer-/Transportfahrzeuge
Anhänger / Auflieger11eigene Kategorie
Klimagerät (mobil)11mobil = eigene Einordnung
Belüftungs-/Entlüftungsgerät (mobil)10mobil = eigene Einordnung
Ventilator14z. B. größere Geräte im Betrieb
Tresor23Sicherheitsausstattung
Hochregallager15Lagereinrichtungen

Quelle der Nutzungsdauern: AfA-Tabelle AV (BMF)
Hinweis zur 1-Jahres-Regel bei IT: BMF-Schreiben  

Pro Tipp: Wenn du unsicher bist, nimm die AfA-Tabelle als Basis und kläre Sonderfälle (IT, GWG/Pool, § 7g) separat. Genau dafür kommen die nächsten Abschnitte.

GWG-Abschreibung (<800€) und Sammelposten (<1.000€)

Mit GWG (geringwertige Wirtschaftsgüter) kannst du bestimmte Anschaffungen sofort absetzen oder alternativ in einen Sammelposten (Pool) stecken. Das ist einer der wichtigsten Praxishebel, weil er entscheidet, ob du den Aufwand sofort oder über Jahre in der Gewinnermittlung siehst.  

💡 Merke: GWG/Pool ist kein „zusätzlicher Rechenweg“, sondern eine andere steuerliche Behandlung als die normale AfA über Nutzungsdauer.

GWG/Pool betreffen abnutzbare, bewegliche und selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Typische Fälle sind kleine Geräte, Büroausstattung, Kassenzubehör oder Tools, die alleine funktionieren.  

⚠️ Achtung: „Selbstständig nutzbar“ ist der Klassiker-Stolperstein. Zubehör, das ohne ein Hauptgerät keinen Sinn hat, fällt in der Praxis oft nicht darunter.

Die 3 Betragszonen: 250 / 800 / 1.000 €

Die Beträge werden in der Praxis meist so gelesen (maßgeblich ist regelmäßig der Nettowert, wenn Vorsteuerabzug möglich ist):  

  • bis 250 Euro: in vielen Darstellungen sofort abziehbar (Vereinfachungsbereich)  
  • 251 bis 800 Euro: Wahlrecht. Entweder GWG sofort oder Sammelposten oder normale AfA  
  • 801 bis 1.000 Euro: kein GWG-Sofortabzug mehr, aber Sammelposten möglich oder normale AfA  

💡 Merke: Sammelposten (Pool) wird immer über 5 Jahre verteilt. Abgänge einzelner Güter ändern daran nichts.  

Sammelposten kurz erklärt (Poolabschreibung)

Wenn du dich für den Sammelposten entscheidest, bündelst du alle passenden Anschaffungen eines Jahres in einem Pool und löst diesen gleichmäßig über 5 Jahre auf.  

⚠️ Achtung: Entscheidest du dich im Jahr für den Sammelposten, müssen nach gängigen Darstellungen auch die Güter im Bereich 251 bis 800 Euro in den Sammelposten, statt sie als GWG sofort abzusetzen.  

Pro Tipp: Pool ist oft sinnvoll, wenn du viele kleine Anschaffungen hast und die Buchhaltung vereinfachen willst. GWG ist oft sinnvoll, wenn du den Aufwand lieber sofort ziehen willst.

Entscheidungshilfe GWG vs. Sammelposten vs. normale AfA

Anschaffungskosten Option Wie wird abgeschrieben? Typischer Vorteil Typischer Nachteil
bis 250 Euro Sofort absetzen 100% im Jahr der Anschaffung maximal einfach keine Glättung über Jahre
251–800 Euro GWG (Sofort) 100% im Jahr der Anschaffung sofortige Gewinnminderung nicht nutzbar, wenn du stattdessen Pool wählst
251–1.000 Euro Sammelposten (Pool) gleichmäßig über 5 Jahre vereinfachte Behandlung vieler Anschaffungen keine Einzelabschreibung nach Nutzungsdauer
über 800 Euro normale AfA über Nutzungsdauer (AfA-Tabelle als Orientierung) passt zur tatsächlichen Nutzung mehr Verwaltungsaufwand

Beispiel 1: Headset für 120 Euro
Typischer Fall für sofort absetzen. Der Aufwand ist direkt im Jahr drin.  

Beispiel 2: Bondrucker für 320 Euro
Hier hast du in der Praxis häufig die Wahl: GWG sofort oder Sammelposten (oder normale AfA). Welche Option besser ist, hängt davon ab, ob du sofort entlasten willst oder lieber vereinfachst.  

Beispiel 3: Tablet für 950 Euro
Kein GWG-Sofortabzug mehr. Entweder Sammelposten (5 Jahre) oder normale AfA über Nutzungsdauer.  

⚠️ Achtung: Entscheide dich bewusst pro Jahr. Die Pool-Entscheidung kann dazu führen, dass du bei 251–800 Euro eben nicht mehr „einfach alles als GWG sofort“ machst.

Sonderabschreibung & Investitionsabzugsbetrag

§ 7g EStG ist ein Praxis-Hebel für kleine und mittlere Betriebe. Er hat zwei Bausteine: den Investitionsabzugsbetrag (IAB) vor der Investition und die Sonderabschreibung nach der Investition. Beide verschieben Abschreibungspotenzial gezielt in frühere Jahre.  

🗓️ Hinweis (Stand: 2026): Die folgenden Kerndaten ergeben sich aus § 7g EStG (amtliche EStH-Darstellung). Für Spezialfälle lohnt ein kurzer Check mit Steuerberatung.  

Investitionsabzugsbetrag (IAB): Steuern senken, bevor du kaufst

Mit dem IAB kannst du für eine geplante Anschaffung oder Herstellung bereits vorab bis zu 50% der voraussichtlichen Kosten gewinnmindernd abziehen. Das funktioniert für abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die im Betrieb fast ausschließlich genutzt werden.  

💡 Merke: Der IAB ist keine „extra Abschreibung“, sondern ein Vorziehen von Abschreibungspotenzial in ein früheres Jahr. Später wird das wieder ausgeglichen.

Wichtige Voraussetzungen (Kernpunkte):

  • Gewinngrenze: Der Gewinn im IAB-Jahr darf (ohne IAB und ohne spätere Hinzurechnungen) 200.000 Euro nicht überschreiten.  
  • Betriebliche Nutzung: Das Wirtschaftsgut muss in einer inländischen Betriebsstätte ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt werden, mindestens bis zum Ende des Folge-Wirtschaftsjahres (oder entsprechend vermietet).  
  • Maximalbetrag: Die Summe der in Anspruch genommenen IABs ist je Betrieb gedeckelt (Betrachtung über das Abzugsjahr und die drei Vorjahre).  

⚠️ Achtung: Wenn die Investition nicht rechtzeitig erfolgt, wird der IAB rückgängig gemacht. Maßgeblich ist die Investitionsfrist bis zum Ende des dritten auf das Abzugsjahr folgenden Wirtschaftsjahres.  

Was passiert im Kaufjahr?

Im Jahr der Anschaffung/Herstellung wird der IAB grundsätzlich hinzugerechnet. Gleichzeitig dürfen die Anschaffungs-/Herstellungskosten in der Steuerlogik um bis zu 50% (begrenzt durch die Hinzurechnung) herabgesetzt werden. Dadurch sinkt die Bemessungsgrundlage für die normale AfA und ggf. auch für Sonderabschreibungen.  

Pro Tipp: Denk beim IAB immer in zwei Schritten: „Steuerentlastung jetzt“ und „Korrektur im Investitionsjahr“. Beides gehört zusammen, sonst wirkt es später wie ein Fehler.

Sonderabschreibung nach § 7g: zusätzlich zur normalen AfA

Neben der normalen AfA kannst du für begünstigte, bewegliche Anlagegüter Sonderabschreibungen bis zu insgesamt 40% nutzen. Das gilt im Jahr der Anschaffung/Herstellung und in den vier folgenden Jahren.  

💡 Merke: Sonderabschreibung ist „extra“ zur normalen AfA. Du kannst die ersten Jahre steuerlich stärker belasten, ohne die Gesamtkosten zu ändern.

Voraussetzungen:

  • Der Betrieb unterschreitet die 200.000-Euro-Gewinngrenze im Jahr, das der Anschaffung/Herstellung vorangeht.  
  • Das Wirtschaftsgut wird im Anschaffungsjahr und im Folgejahr ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt (oder entsprechend vermietet).  

⚠️ Achtung: Wenn die Nutzungs-Voraussetzungen später nicht (mehr) erfüllt sind, müssen Herabsetzungen und Hinzurechnungen rückgängig gemacht werden.  

IAB vs. Sonderabschreibung: der schnelle Vergleich

Baustein Wann wirkt er? Maximaler Effekt Wofür geeignet? Typische Stolperfalle
Investitionsabzugsbetrag (IAB) vor Anschaffung/Herstellung bis zu 50% der voraussichtlichen Kosten als Gewinnminderung Planinvestition, Gewinn im aktuellen Jahr senken Investition nicht innerhalb der Frist → Rückgängigmachung
Sonderabschreibung im Anschaffungsjahr + 4 Folgejahre bis zu 40% zusätzlich zur normalen AfA frühere Steuerentlastung nach Kauf betriebliche Nutzung nicht „fast ausschließlich“ → Korrekturen

Typische Fehler bei § 7g (und wie du sie vermeidest)

  • IAB gebildet, Investition verpasst: Frist im Kalender notieren, sonst Rückabwicklung.  
  • Nutzung nicht eindeutig betrieblich: gemischte Nutzung ohne saubere Abgrenzung ist riskant, weil „fast ausschließlich“ verlangt ist.  
  • Bemessungsgrundlage vergessen: Nach Hinzurechnung und Herabsetzung ändert sich die Basis für AfA und Sonderabschreibung.  
  • Gewinngrenze übersehen: 200.000-Euro-Schwelle ist harte Eintrittskarte.  

Pro Tipp: Wenn du § 7g nutzt, dokumentiere für jede Investition kurz: geplantes Gut, voraussichtliche Kosten, Jahr des IAB, Anschaffungsjahr, Nutzungsnachweis (Betriebsstätte, betriebliche Verwendung). Das reicht meist, um es sauber nachvollziehbar zu halten.  

AfA in der Praxis (EÜR+ELSTER)

Wenn du eine EÜR machst, laufen Abschreibung (AfA) und Umsatzsteuer in der Praxis auf zwei getrennten Schienen:

AfA wirkt auf deinen Gewinn in der Einkommensteuer. Die Umsatzsteuer (Vorsteuer) aus dem Kauf ziehst du dagegen sofort und in voller Höhe in der USt-Voranmeldung. 💡

⚠️ Achtung: Die Vorsteuer wird nicht „über die Nutzungsdauer verteilt“. Sie ist in der Regel sofort voll abziehbar, sobald die Rechnung korrekt ist und du zum Vorsteuerabzug berechtigt bist.

1) Was passiert beim Kauf in der Buchhaltung?

Du kaufst z. B. ein Gerät, eine Kasse oder eine Maschine. Dann passieren zwei Dinge:

  1. Umsatzsteuer (Vorsteuer)
    Wenn du vorsteuerabzugsberechtigt bist, holst du dir die Vorsteuer aus der Rechnung sofort vollständig über die USt-Voranmeldung zurück. ✅
  2. AfA (Abschreibung)
    Die Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts wirken nicht sofort komplett als Betriebsausgabe, sondern werden über die Nutzungsdauer verteilt. Das läuft über dein Anlageverzeichnis und später über die EÜR.

💡 Merke: USt sofort voll. AfA über Jahre. Das sind zwei unterschiedliche Rechenwelten.

2) Wo trägst du Abschreibung in ELSTER ein? (EÜR)

Bei der EÜR brauchst du in der Praxis zwei Stellen:

  • Anlageverzeichnis / Anlage AVEÜR: dort stehen die Details je Wirtschaftsgut
  • Anlage EÜR: dort steht die AfA-Summe des Jahres

a) Anlage AVEÜR: Das „Anlagenverzeichnis“ (Details pro Wirtschaftsgut)

Hier dokumentierst du für jedes Wirtschaftsgut typischerweise:

  • Bezeichnung (z. B. „Bondrucker“, „Laptop“, „Kasse“)
  • Anschaffungsdatum und Beginn der Betriebsbereitschaft
  • Anschaffungskosten (netto oder brutto)
  • Nutzungsdauer (z. B. nach AfA-Tabelle)
  • Abschreibungsmethode (meist linear)
  • AfA-Beträge pro Jahr und Restbuchwert

Pro Tipp: Halte den Start der AfA als Monat fest („betriebsbereit ab …“). Das reduziert Fehler bei der zeitanteiligen AfA.

b) Anlage EÜR: AfA als Jahressumme

In der Anlage EÜR trägst du nicht jedes Gerät einzeln ein, sondern die Summe deiner AfA als Betriebsausgabe im Bereich „Absetzung für Abnutzung (AfA)“.

💡 Merke: AVEÜR = Detail-Liste, EÜR = Summe.

Dein Fall ELSTER-Teil Was kommt rein?
Du kaufst ein Anlagegut (> GWG) Anlage AVEÜR Zugang, Anschaffungskosten, ND, Beginn, AfA-Plan
Jährliche Abschreibung Anlage EÜR AfA-Summe des Jahres
GWG sofort abgesetzt Anlage EÜR als sofortige Betriebsausgabe (nicht als AfA)
Sammelposten (Pool) Anlage AVEÜR + EÜR Pool dokumentieren, jährliche Pool-Auflösung als Aufwand

⚠️ Achtung: Wenn du ein Wirtschaftsgut fälschlich komplett als Aufwand buchst, obwohl es eigentlich abgeschrieben werden müsste, stimmt die EÜR nicht. Umgekehrt verschenkt man manchmal Aufwand, wenn eigentlich GWG möglich wäre.

3) Wo trägst du die Umsatzsteuer ein? (UStVA und USt-Erklärung)

Wenn du vorsteuerabzugsberechtigt bist, gilt in der Praxis:

  • Vorsteuer aus dem Kauf kommt in der USt-Voranmeldung in den Bereich „abziehbare Vorsteuerbeträge“
  • und wird später in der USt-Jahreserklärung entsprechend übernommen

Wichtig: Die Vorsteuer ziehst du sofort und in voller Höhe. Nicht verteilt. Nicht anteilig nach Nutzungsdauer.

⚠️ Achtung: Sonderfälle wie Reverse-Charge oder gemischte Nutzung können die USt-Behandlung ändern. Für den Standard-KMU-Fall gilt aber: Vorsteuer aus korrekter Rechnung = sofort voll.

4) Sonderfall: Kleinunternehmer (§ 19 UStG)

Wenn du Kleinunternehmer bist, hast du in der Regel keinen Vorsteuerabzug. Dann gilt:

  • Du bekommst keine Vorsteuer zurück.
  • Für die AfA sind die Anschaffungskosten praktisch brutto relevant.

💡 Merke: Kleinunternehmer = keine Vorsteuer. Vorsteuerabzugsberechtigt = Vorsteuer sofort voll.

Außerplanmäßige Abschreibung

Die normale AfA ist planmäßig. Du verteilst Anschaffungskosten nach einem festen Plan über die Nutzungsdauer. Eine außerplanmäßige Abschreibung ist etwas anderes: Sie passiert, wenn der Wert eines Wirtschaftsguts ungeplant und dauerhaft sinkt. Dann passt der ursprüngliche Plan nicht mehr.

💡 Merke: Planmäßig = „normaler Verschleiß über Jahre“. Außerplanmäßig = „ungeplanter, dauerhafter Wertverlust“.

Wann kommt eine außerplanmäßige Abschreibung in der Praxis vor?

Typische Auslöser sind Situationen, in denen ein Wirtschaftsgut plötzlich nicht mehr wie geplant genutzt werden kann oder dauerhaft weniger wert ist, zum Beispiel:

  • Totalschaden oder schwerer Schaden, der die Nutzung deutlich einschränkt
  • technischer Defekt, der eine wirtschaftliche Nutzung dauerhaft verhindert
  • dauerhafte Überalterung/Obsoleszenz, wenn das Gut im Betrieb praktisch nicht mehr einsetzbar ist
  • betriebliche Umstellung, durch die ein Gerät dauerhaft nicht mehr gebraucht wird (nicht nur „steht gerade herum“)

⚠️ Achtung: „Gerät liegt im Lager und wird selten genutzt“ ist nicht automatisch eine außerplanmäßige Abschreibung. Entscheidend ist die dauerhafte Wertminderung.

Was bedeutet „dauerhaft“?

„Dauerhaft“ heißt: Der Wertverlust ist nicht nur vorübergehend. Ein kurzfristiger Preisrutsch oder eine vorübergehende Nichtnutzung reicht in der Regel nicht. Es muss nachvollziehbar sein, dass das Wirtschaftsgut langfristig weniger Nutzen stiftet oder wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll einsetzbar ist.

Pro Tipp: Dokumentiere den Grund kurz (Schaden, Defektbericht, Umstellung, Nachweis der eingeschränkten Nutzung). Das macht die Entscheidung prüfbar.

Beispiele)

Beispiel 1: Maschine nach Wasserschaden
Die Maschine ist dauerhaft eingeschränkt nutzbar. Der ursprüngliche AfA-Plan bildet die Situation nicht mehr realistisch ab. Eine außerplanmäßige Abschreibung kann die Wertminderung abbilden.

Beispiel 2: Kassenterminal wird technisch unbrauchbar
Durch ein Hardwareproblem ist das Gerät dauerhaft nicht mehr einsetzbar. Der Restwert wird außerplanmäßig angepasst.

Beispiel 3: Spezialgerät wird durch Umstellung obsolet
Du stellst deinen Betrieb um und das Gerät wird dauerhaft nicht mehr benötigt. Wenn eine Verwertung nur noch mit sehr geringem Wert möglich ist, kann das eine außerplanmäßige Abschreibung begründen.

💡 Merke: Außerplanmäßig ist ein Sonderfall. Wenn du einfach nur schneller abschreiben möchtest, ist das kein Grund. Dafür sind GWG/Pool, degressiv oder § 7g die typischen Werkzeuge.

Kalkulatorische Abschreibung

Die steuerliche AfA folgt dem Steuerrecht. Die kalkulatorische Abschreibung gehört zur internen Kostenrechnung. Sie ist nicht dafür da, Steuern zu sparen, sondern um deine Preise und deinen Gewinn realistisch zu kalkulieren.

💡 Merke: AfA = Steuerlogik. Kalkulatorische Abschreibung = betriebliche Realität für deine Kalkulation.

Wozu brauchst du kalkulatorische Abschreibung?

Viele Betriebe kalkulieren Preise oder Stundensätze ohne zu merken, dass Investitionen „unsichtbar“ werden, wenn sie nur steuerlich gedacht werden. Kalkulatorische Abschreibung hilft dir, den jährlichen Werteverzehr als echte Kostenkomponente zu berücksichtigen, zum Beispiel für:

  • Preis- und Angebotskalkulation
  • Deckungsbeitrag und Break-even-Rechnung (Kostenblock pro Jahr)
  • Investitionsentscheidungen (lohnt sich ein Gerät wirklich?)
  • Vergleich von Alternativen (kaufen vs. leasen)

Pro Tipp: Wenn du deine Preise sauber kalkulieren willst, ist kalkulatorische Abschreibung oft wichtiger als die steuerliche Methode.

Was ist der Unterschied zur AfA?

Thema Steuerliche AfA Kalkulatorische Abschreibung
Ziel korrekte Gewinnermittlung nach Steuerrecht realistische Kosten für Kalkulation und Steuerung
Basis Anschaffungs-/Herstellungskosten nach steuerlichen Regeln oft Wiederbeschaffungswert oder realistische Nutzungsannahmen
Nutzungsdauer häufig AfA-Tabelle als Orientierung betriebliche Realität (wie lange nutzt du es wirklich?)
Methoden gesetzlich definiert (linear, ggf. degressiv, Sonderfälle) frei wählbar, solange sie intern konsistent ist
Ergebnis steuerlicher Aufwand pro Jahr Kostenblock pro Jahr für Preise/Entscheidungen

💡 Merke: Es kann sein, dass du steuerlich „1 Jahr IT-Nutzungsdauer“ nutzt, intern aber mit 3 Jahren planst, weil du realistisch so lange damit arbeitest. Beides kann sinnvoll sein, aber es beantwortet unterschiedliche Fragen.

So nutzt du kalkulatorische Abschreibung in der Praxis

  1. Definiere das Wirtschaftsgut und den Zweck (z. B. Behandlungsgerät, Kassensystem, Lieferfahrzeug).
  2. Lege eine realistische Nutzungsdauer für deinen Betrieb fest.
  3. Setze daraus einen jährlichen Kostenblock an, der in deine Kalkulation einfließt.
  4. Nutze den Block in Deckungsbeitrag, Break-even und Preisberechnung.

⚠️ Achtung: Kalkulatorische Abschreibung ersetzt keine steuerliche AfA. Sie läuft parallel als interne Rechnung.

AfA-Beispiele

Hier sind typische Praxisfälle als kurze Karten. Jede Karte zeigt dir: Einordnung, Nutzungsdauer-Hinweis und häufige Fehler.

💡 Merke: Die Beispiele ersetzen keine AfA-Tabelle. Sie helfen dir, die Logik schnell auf reale Anschaffungen anzuwenden.

Beispiel 1: Laptop (IT)

Ein Laptop ist ein bewegliches, abnutzbares Anlagegut. In der AfA-Tabelle AV wird IT klassisch mit einer Nutzungsdauer geführt, zusätzlich gibt es die verbreitete 1-Jahres-Regel für bestimmte Computerhardware/Software (siehe Abschnitt AfA-Tabelle).

Pro Tipp: Prüfe zuerst, ob die 1-Jahres-Regel anwendbar ist. Das kann die Buchhaltung stark vereinfachen.

⚠️ Achtung: Netto/Brutto sauber wählen. Bei Vorsteuerabzug zählt typischerweise netto, sonst brutto.

Beispiel 2: Handy/Smartphone

Ein betrieblich genutztes Smartphone ist ebenfalls ein bewegliches Anlagegut. Entscheidend ist die betriebliche Zuordnung. Bei gemischter Nutzung solltest du die betriebliche Nutzung nachvollziehbar abgrenzen.

💡 Merke: Je klarer die betriebliche Nutzung, desto sauberer die steuerliche Behandlung.

⚠️ Achtung: „Teil privat“ ist ein Klassiker für Diskussionen. Ohne saubere Abgrenzung wird es unscharf.

Beispiel 3: PKW (Firmenwagen)

Ein Firmenwagen wird als Anlagegut abgeschrieben. Zusätzlich sind bei betrieblichen Fahrzeugen oft weitere Themen relevant (privat/betrieblich, Fahrtenbuch, 1%-Regel). Für die Abschreibung selbst ist die Nutzungsdauer aus der AfA-Tabelle die Orientierung.

Pro Tipp: Trenne gedanklich zwei Dinge: AfA (Wertverzehr) und Privatnutzung (Nutzungsentnahme/Versteuerung). Das sind zwei verschiedene Baustellen.

⚠️ Achtung: Fahrzeugkosten sind schnell ein Mix aus AfA, laufenden Kosten und Privatnutzung. Nicht alles ist AfA.

Beispiel 4: Software

Software kann je nach Art und Einordnung unterschiedlich behandelt werden. In der Praxis sind vor allem zwei Fälle wichtig:

  • laufendes Abo (SaaS): meist laufender Aufwand, keine Abschreibung
  • gekaufte Software/Lizenz: kann ein aktivierungsfähiges Wirtschaftsgut sein, dann AfA über Nutzungsdauer möglich

💡 Merke: Abo-Zahlungen sind meist sofort Aufwand. Abschreibung ist eher ein Thema bei gekauften, aktivierten Lizenzen.

⚠️ Achtung: Bei Software lohnt sich ein kurzer Check, ob es wirklich „Kauf“ oder doch nur „Nutzungsüberlassung als Abo“ ist.

Beispiel 5: Küche/Maschine (Gastro/Handwerk)

Größere Geräte wie Küchenmaschinen, Kühltechnik oder Produktionsmaschinen sind typische Abschreibungsfälle. Wichtig sind hier:

  • Anschaffungskosten inkl. Lieferung/Montage, wenn nötig für Betriebsbereitschaft
  • Startzeitpunkt ab Betriebsbereitschaft
  • Nutzungsdauer aus AfA-Tabelle bzw. Branchentabelle

Pro Tipp: Bei größeren Maschinen ist die Dokumentation der Betriebsbereitschaft (z. B. Abnahme, Inbetriebnahme) besonders hilfreich.

⚠️ Achtung: Zubehör und Einbaukosten werden häufig falsch behandelt. Wenn sie nötig sind, um die Maschine betriebsbereit zu machen, gehören sie oft in die Anschaffungskosten.

FAQ

Was bedeutet AfA?

AfA steht für Absetzung für Abnutzung. Das ist der steuerliche Begriff für Abschreibung. Du verteilst die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts über die Jahre der Nutzung als Aufwand.

Ab wann darf ich abschreiben?

Ab dem Zeitpunkt, ab dem das Wirtschaftsgut betriebsbereit ist. Im Anschaffungsjahr wird häufig zeitanteilig nach Monaten gerechnet. Wichtig: Kaufdatum und Betriebsbereitschaft können auseinanderfallen.

⚠️ Achtung: Wenn Montage oder Lieferung später erfolgt, verschiebt sich der Start der AfA.

Wie berechne ich die lineare Abschreibung?

Linear bedeutet: gleicher Abschreibungsbetrag pro Jahr. Du teilst die Anschaffungskosten durch die Nutzungsdauer. Im Anschaffungsjahr wird häufig zeitanteilig gerechnet.

Was ist degressive Abschreibung?

Degressiv bedeutet: Du schreibst am Anfang mehr ab und später weniger. Rechenbasis ist der Restbuchwert. Degressiv ist in Deutschland an Voraussetzungen und Zeiträume gebunden.

Kann ich von degressiv zu linear wechseln?

Ja, ein Wechsel ist möglich und wird oft gemacht, wenn die lineare Abschreibung auf den Restbuchwert pro Jahr höher wäre als der degressive Betrag. Dann wird die Abschreibung in der Regel „glatter“ und oft insgesamt effizienter verteilt.

Was ist die AfA-Tabelle und wofür brauche ich sie?

Die AfA-Tabelle liefert Orientierungswerte für die Nutzungsdauer typischer Anlagegüter. Sie hilft dir, eine nachvollziehbare Nutzungsdauer zu wählen, ohne sie „zu raten“.

Was bedeutet Nutzungsdauer?

Nutzungsdauer ist die Anzahl der Jahre, über die du die Kosten steuerlich verteilst. Sie ist ein steuerlicher Orientierungswert, häufig aus der AfA-Tabelle. Sie muss nicht identisch sein mit „wie lange hält das Gerät technisch“.

Was ist GWG und was ist der Sammelposten?

GWG (bis 800 Euro) kann unter Voraussetzungen sofort abgesetzt werden. Der Sammelposten (bis 1.000 Euro) bündelt Anschaffungen eines Jahres und wird gleichmäßig über 5 Jahre verteilt. Details und Entscheidungsmatrix stehen im GWG/Pool-Abschnitt.

Was ist der Investitionsabzugsbetrag (§ 7g)?

Der IAB erlaubt es, bei geplanten Investitionen bereits vor dem Kauf einen Teil der voraussichtlichen Kosten gewinnmindernd abzuziehen (unter Voraussetzungen). Zusätzlich gibt es Sonderabschreibungen nach § 7g. Details stehen im § 7g-Abschnitt.

Kann ich ein iPad oder Handy als GWG sofort absetzen?

Das hängt vor allem vom Preis (Schwellenwerte) und davon ab, ob das Gerät die Voraussetzungen erfüllt (beweglich, abnutzbar, selbstständig nutzbar, betriebliche Nutzung). Wenn es über 800 Euro liegt, kommt eher Sammelposten oder normale AfA in Frage.

Was sind die häufigsten Fehler bei Abschreibungen?

  • Netto/Brutto falsch angesetzt
  • Startmonat falsch (Kaufdatum statt Betriebsbereitschaft)
  • Nutzungsdauer ohne AfA-Tabelle „geraten“
  • GWG/Pool übersehen
  • Rundungen nicht sauber ausgeglichen
  • Zubehör/Montage nicht korrekt in Anschaffungskosten berücksichtigt

Pro Tipp: Wenn du unsicher bist, geh immer in dieser Reihenfolge: Anschaffungskosten → Nutzungsdauer → Methode → Startzeitpunkt → Sonderfälle (GWG/Pool, § 7g).

Christian
Christian
Gründer von shoperate

Abschreibung verteilt die Kosten eines Wirtschaftsguts über seine Nutzungsdauer. Steuerlich heißt das AfA (Absetzung für Abnutzung). Du bestimmst Anschaffungskosten, Nutzungsdauer (oft über die AfA-Tabelle) und die Methode. Meist ist das linear, degressiv ist nur unter Voraussetzungen relevant.

Für KMU sind die Sonderregeln besonders wichtig: GWG bis 800 Euro und der Sammelposten bis 1.000 Euro können Aufwand sofort oder vereinfacht über 5 Jahre ermöglichen. § 7g (IAB und Sonderabschreibung) kann zusätzlich helfen, Abschreibung in frühere Jahre zu ziehen, wenn die Voraussetzungen passen.

In der Praxis gilt die Trennung: AfA wirkt in der EÜR/ELSTER über Anlageverzeichnis (AVEÜR) plus AfA-Summe in der EÜR. Die Umsatzsteuer (Vorsteuer) aus dem Kauf ziehst du dagegen bei Vorsteuerabzug sofort und voll über UStVA bzw. USt-Erklärung.

lg Christian und das Team von shoperate

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Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafür aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

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