Du willst eine eigene Bar eröffnen? Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Voraussetzungen du in Österreich brauchst, mit welchen Kosten du rechnen musst, wie du Genehmigungen, Standort und Finanzierung richtig angehst — und welche typischen Fehler du vermeiden solltest. Schritt für Schritt zur eigenen Bar.

Wer in Österreich eine Bar eröffnen will, braucht eine Gastgewerbeberechtigung (oder einen gewerberechtlichen Geschäftsführer), eine Betriebsanlagengenehmigung für den Standort, einen tragfähigen Businessplan und je nach Konzept zwischen 40.000 und 200.000 Euro Startkapital. Die größten Stolpersteine: Genehmigungen, die Monate dauern, laufende Kosten in der Anlaufphase und ein zu schwaches Konzept ohne klare Zielgruppe.
Das klingt nach viel — ist aber machbar, wenn du die Schritte in der richtigen Reihenfolge angehst. Dieser Leitfaden führt dich durch alle Voraussetzungen, Kosten, Genehmigungen und typischen Fehler — Schritt für Schritt bis zur Eröffnung.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren auf einen Blick:
Für eine Bar in Österreich reichen Motivation und Kapital allein nicht. Persönliche Eignung, fachliche Qualifikation und die richtige organisatorische Aufstellung müssen zusammenpassen, bevor du den ersten Mietvertrag unterschreibst.
Eine Bar zu führen bedeutet nicht, abends hinter der Theke zu stehen und mit Gästen zu plaudern. Du bist Unternehmer — mit allem, was dazugehört: Schichtplanung, Wareneinkauf, Buchhaltung, Personalführung, Behördenkontakte und Problemlösung unter Zeitdruck.
Die Arbeitszeiten in der Gastronomie sind fordernd. Abende, Wochenenden und Feiertage sind deine Hauptarbeitszeit. Stressresistenz, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, gerade in den ersten Monaten deutlich mehr zu arbeiten als geplant, sind keine Soft Skills — sie sind Grundvoraussetzung.
⚠️ Achtung: Viele Gründungen scheitern nicht am Konzept, sondern daran, dass der Alltag als Barbetreiber unterschätzt wurde. Prüfe ehrlich, ob du bereit bist, diesen Lebensstil über Jahre durchzuhalten.
In Österreich fällt eine klassische Bar grundsätzlich unter das reglementierte Gastgewerbe. Das bedeutet: Du brauchst einen Befähigungsnachweis, bevor du den Betrieb aufnehmen darfst. Es gibt mehrere Wege, diese Qualifikation nachzuweisen:
Wenn du selbst keinen Befähigungsnachweis hast, gibt es eine praxisnahe Alternative: Du stellst einen gewerberechtlichen Geschäftsführer ein, der die Qualifikation mitbringt und mindestens die Hälfte der Betriebszeit im Betrieb anwesend ist. Das muss ein echtes Beschäftigungsverhältnis sein — eine rein formale Benennung reicht nicht.
👉 Tipp: Lass dich frühzeitig bei der Wirtschaftskammer beraten, welcher Weg für dein Konzept am besten passt. Detaillierte Informationen zu allen Wegen des Befähigungsnachweises findest du in unserem Artikel zur Konzession im Gastgewerbe.
Neben der fachlichen Qualifikation brauchst du für eine Bar in Österreich mehrere behördliche Freigaben. Die zwei wichtigsten sind die Gastgewerbeberechtigung und die Betriebsanlagengenehmigung — und sie sind nicht dasselbe. Dieser Abschnitt gibt dir den Überblick, den du für die Planung brauchst. Die vollständige Tiefenerklärung zu Befähigungswegen, Sonderfällen und Unterlagenlisten findest du in unserem Artikel zur Konzession im Gastgewerbe.
Wer in Österreich Getränke gegen Entgelt mit Sitz- oder Stehplätzen ausschenkt, betreibt ein Gastgewerbe. Sobald du offenen Alkohol ausschenkst — Cocktails, Wein vom Fass, Spirituosen —, fällst du in den reglementierten Bereich. Das heißt: Befähigungsnachweis erforderlich. Die Anmeldung erfolgt bei der Bezirkshauptmannschaft, dem Magistrat oder in Wien bei der MA 63. Nach Prüfung wird dein Betrieb im GISA eingetragen — ab dann darfst du das Gewerbe ausüben.
Das freie Gastgewerbe — maximal acht Plätze, nur verschlossenes Bier, einfache Speisen — ist für klassische Bar-Konzepte in der Praxis kaum relevant. Alles Weitere zu den einzelnen Befähigungswegen, Sonderfällen und erforderlichen Unterlagen erklärt unser Spezialartikel zur Konzession.
Selbst mit Gewerbeberechtigung darfst du deine Bar nicht automatisch an jedem Standort eröffnen. Die Betriebsanlagengenehmigung prüft, ob dein Betrieb an diesem konkreten Ort zulässig ist — vor allem in Bezug auf Lärm, Abluft, Gastgarten und Umbauten.
Du brauchst in der Regel einen Einreichplan, eine Betriebsbeschreibung und je nach Anlage ein Lärmgutachten. Die Bearbeitungszeit kann mehrere Monate betragen.
⚠️ Achtung: Kläre die Genehmigungsfähigkeit des Standorts, bevor du den Mietvertrag finalisierst. Ein Betrieb ohne aufrechte Betriebsanlagengenehmigung riskiert behördliche Auflagen bis zur Schließung.
Je nach Konzept und Standort können zusätzliche Freigaben nötig sein:
👉 Tipp: Ein realistischer Zeitrahmen von der Erstberatung bis zur Eröffnung liegt bei zwei bis sechs Monaten — je nach Standort, Konzept und Genehmigungsaufwand.
Die meisten Bars scheitern nicht an der Getränkekarte, sondern an fehlender Positionierung. Ein tragfähiges Konzept beantwortet drei Fragen: Für wen ist diese Bar? Warum sollten Gäste ausgerechnet hierher kommen? Und wie unterscheidet sie sich von dem, was es in der Umgebung bereits gibt?
Bar-Typen helfen als Orientierungsrahmen — entscheidend ist aber nicht das Etikett, sondern ob Konzept, Zielgruppe und Standort zusammenpassen.
Dein Alleinstellungsmerkmal muss kein spektakuläres Konzept sein — es muss nur klar und konsistent sein. Eine Bar, die „ein bisschen von allem" bietet, verliert gegen spezialisierte Mitbewerber.
Geh systematisch vor:
💡 Merke: Positionierung entsteht nicht durch einen cleveren Namen, sondern durch konsequente Entscheidungen bei Angebot, Einrichtung, Preis und Kommunikation.
Der Standort entscheidet über Reichweite, Mietkosten, Zielgruppenfit und Genehmigungsaufwand. Eine gute Bar am falschen Standort hat es deutlich schwerer als ein durchschnittliches Konzept an einem starken Standort.
Prüfe bei der Standortsuche diese Kriterien:
⚠️ Achtung: Erkundige dich beim Ordnungsamt oder Magistrat, ob es für deinen Wunschstandort Zonenbeschränkungen, Sperrstundenregelungen oder Einschränkungen für Gastgärten gibt — bevor du den Mietvertrag unterschreibst.
Ein Businessplan ist nicht nur ein Dokument für die Bank. Er zwingt dich, klare Annahmen zu treffen — über Umsatz, Kosten, Zielgruppe und Risiken. Wer keinen Businessplan hat, merkt zu spät, dass die Rechnung nicht aufgeht.
👉 Tipp: Nutze Gründerberatungen der Wirtschaftskammer oder kostenlose Businessplan-Vorlagen als Einstieg. Banken und Förderstellen erwarten eine nachvollziehbare, realistische Planung — nicht die optimistischste Version.
Gerade in der Gastronomie ist Planung ohne Puffer riskant. Arbeite deshalb mit mindestens drei Szenarien:
Entscheidend ist nicht, welches Szenario eintritt, sondern ob deine Liquidität auch im pessimistischen Fall für mindestens sechs Monate reicht. Banken und Förderstellen schauen genau darauf, wie du mit dem Worst Case umgehst — nicht nur, wie schön der Best Case aussieht.
Die Frage nach den Kosten ist einer der häufigsten Gründe, warum sich Gründer mit dem Thema Bar beschäftigen. Die Antwort hängt stark vom Konzept, Standort und Zustand der Räumlichkeiten ab — aber es gibt belastbare Richtwerte.
Die Erstinvestition für eine Bar in Österreich liegt typischerweise zwischen 40.000 und 200.000 Euro. Die Spanne ist groß, weil Faktoren wie Umbaubedarf, Ausstattungsniveau und Ablösesummen stark variieren.
💡 Merke: Wer ein bestehendes Lokal übernimmt, spart oft beim Umbau, zahlt aber eine Ablösesumme. Beide Varianten solltest du durchrechnen.
Wie viel Startkapital braucht man für eine Bar? Das hängt vor allem von Umbaubedarf und Ausstattungsniveau ab:
Diese Werte enthalten neben der Erstinvestition auch eine Liquiditätsreserve für die Anlaufphase. Ohne diesen Puffer wird es eng — selbst bei gutem Konzept.
Die laufenden Kosten entscheiden langfristig stärker über den Erfolg als die Erstausstattung. Was kostet es also, eine Bar laufend zu betreiben? Rechne mit monatlichen Gesamtkosten zwischen 6.000 und 18.000 Euro — je nach Größe, Standort und Teamstärke. Typische monatliche Fixkosten für eine kleine bis mittlere Bar:
Plane zusätzlich eine Liquiditätsreserve für mindestens sechs Monate. In der Anlaufphase decken die Umsätze oft nicht die laufenden Kosten — dieses Polster entscheidet, ob du durchhältst oder vorzeitig aufgeben musst.
Die Finanzierung einer Bar steht auf mehreren Säulen:
⚠️ Achtung: „Bar eröffnen ohne Eigenkapital" klingt verlockend, ist in der Praxis aber nur eingeschränkt realistisch. Ohne Eigenkapital fehlen Sicherheiten für Banken, und das Risiko eines finanziellen Engpasses in der Anlaufphase steigt erheblich. Wenn du wenig Eigenkapital hast, prüfe, ob du kleiner starten oder mit einem Partner einsteigen kannst.
Nach Konzept, Standort und Finanzierung geht es an die praktische Umsetzung. Die Einrichtung einer Bar ist nicht nur eine Designfrage — sie bestimmt Arbeitsabläufe, Servicequalität und Betriebskosten.
Die wichtigsten Ausstattungsbereiche:
👉 Tipp: Erstelle eine Erstausstattungsliste mit Preisen, bevor du bestellst. So behältst du das Budget im Griff und vermeidest Impulskäufe.
Die Eröffnung ist nur der Anfang. Damit deine Bar dauerhaft funktioniert, brauchst du ein stabiles Team, klare Abläufe und die Bereitschaft, deine eigene Rolle realistisch zu definieren.
Welche Rollen brauchst du zum Start?
Schichtplanung ist in der Gastronomie eine Daueraufgabe. Abend- und Wochenendschichten müssen zuverlässig besetzt sein — Krankheit, Urlaub und Fluktuation musst du einkalkulieren.
Servicequalität entscheidet über Stammkundschaft. Lege von Anfang an Standards fest: Wie werden Gäste begrüßt? Wie schnell wird serviert? Wie geht das Team mit Beschwerden um? Konsistenz schlägt Perfektion.
⚠️ Achtung: Einer der häufigsten Fehler von Barbetreibern: mit Gästen mittrinken. Was gesellig wirkt, untergräbt deine Professionalität und deine Gesundheit. Bleib auf der anderen Seite der Theke — als Gastgeber, nicht als Gast.
Auch die beste Bar füllt sich nicht von allein. Gleichzeitig braucht eine lokale Bar kein riesiges Marketingbudget — sondern die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit.
Die wichtigsten Schritte in den ersten 90 Tagen:
💡 Merke: Marketing für Bars funktioniert lokal und persönlich. Investiere deine Zeit lieber in Beziehungen und Qualität als in breite Streuwerbung.
Viele der häufigsten Fehler sind vermeidbar — wenn du sie vorher kennst:
Diese Checkliste fasst den gesamten Gründungsprozess chronologisch zusammen:
Kurz gesagt: eine Gastgewerbeberechtigung mit Befähigungsnachweis, eine Betriebsanlagengenehmigung für den Standort, einen Businessplan und ausreichend Kapital. Wer den Befähigungsnachweis nicht selbst mitbringt, kann einen gewerberechtlichen Geschäftsführer einstellen. Je nach Konzept kommen Musiklizenzen, Baugenehmigungen und Hygieneauflagen hinzu.
Die Erstinvestition liegt typischerweise zwischen 40.000 und 200.000 Euro. Dazu kommen laufende Kosten von 6.000 bis 18.000 Euro monatlich für Miete, Personal, Wareneinsatz und Betrieb. Plane eine Reserve für mindestens sechs Monate ein.
Für eine kleine Bar mit wenig Umbaubedarf: 50.000 bis 80.000 Euro. Für mittlere Konzepte: 80.000 bis 140.000 Euro. Aufwendige Umbauten können über 200.000 Euro kosten. In allen Fällen muss das Startkapital auch die Anlaufphase abdecken.
In der Praxis schwierig. Banken erwarten mindestens 20 bis 30 Prozent Eigenkapital. Ohne eigenes Geld fehlen Sicherheiten und Puffer für die Anlaufphase. Realistischer: kleiner starten, Partner einbeziehen oder schrittweise Eigenkapital aufbauen.
Nicht zwingend eine bestimmte Ausbildung, aber einen Befähigungsnachweis — nachweisbar durch Lehre, Tourismusschule, WIFI-Prüfung oder individuelle Befähigung nach § 19 GewO. Alternativ: einen qualifizierten gewerberechtlichen Geschäftsführer einstellen.
Rechne mit zwei bis sechs Monaten — je nach Genehmigungsaufwand, Umbaubedarf und Qualifikationsweg. Größter Zeitfresser ist meist die Betriebsanlagengenehmigung.
Grundsätzlich möglich, aber anspruchsvoll. Bars haben abends und am Wochenende Hauptgeschäftszeit. Du brauchst ein verlässliches Team und gegebenenfalls einen gewerberechtlichen Geschäftsführer. Nebenberuflich starten geht — erfordert aber klare Öffnungszeiten und realistische Erwartungen.
Die zwei wichtigsten: Gastgewerbeberechtigung (über Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat) und Betriebsanlagengenehmigung (prüft den Standort auf Lärm, Abluft, Sicherheit). Dazu je nach Konzept: Musiklizenz (AKM), Baugenehmigung, Übertragungsrechte für Sportevents.

Eine Bar in Österreich zu eröffnen ist kein Schnellschuss — es ist ein Gründungsprojekt, das solide Planung, ausreichend Kapital und unternehmerisches Durchhaltevermögen verlangt. Von der Gewerbeberechtigung über den Businessplan bis zur Erstausstattung greifen viele Schritte ineinander. Wer sie in der richtigen Reihenfolge angeht, vermeidet teure Fehler.
Die wichtigsten Hebel: ein klares Konzept mit definierter Zielgruppe, ein Standort, der zum Konzept passt, und eine Finanzierung, die auch im pessimistischen Szenario trägt. Genehmigungen, Befähigungsnachweis und Betriebsanlagengenehmigung kosten Zeit — plane diesen Vorlauf ein, statt ihn zu unterschätzen.
Wer realistisch plant, sich frühzeitig beraten lässt und genug Puffer einbaut, hat gute Chancen, eine tragfähige Bar aufzubauen. Der Gastronomie-Markt in Österreich bietet Platz für durchdachte Konzepte — aber keinen Raum für Improvisation.
lg Christian und das Team von shoperate
Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafür aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
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