Eine Speisekarte erstellen heißt, Angebot, Kalkulation, Design und rechtliche Pflichten in eine klare Reihenfolge zu bringen. Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess — für gedruckte wie digitale Karten — und zeigt, worauf du in Deutschland und Österreich besonders achten musst.

Eine Speisekarte zu erstellen heißt, sieben Dinge in der richtigen Reihenfolge zu entscheiden: Angebot, Sortiment, Aufbau, Texte, Preise, Design und Pflichtangaben. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt eine Karte — egal ob klassische Speisekarte, moderne Menükarte oder digitale Variante mit QR-Code —, die sich gut liest, profitabel verkauft und rechtlich sauber ist.
Bevor du ein Design-Tool öffnest, lohnt sich daher der Blick auf den gesamten Ablauf. So weißt du, was zusammengehört und in welcher Reihenfolge du arbeitest.
In Deutschland und Österreich gelten ähnliche, aber nicht identische Regeln für Preisangaben und Allergene. Beides gehört von Anfang an mitgedacht, nicht erst nach dem Druck.
Bevor du ins Detail gehst, entscheide grob, wie du deine Speisekarte erstellen willst. Die Antwort bestimmt Aufwand, Pflegeaufwand und Ergebnis.
Details zu konkreten Tools, Programmen und Vorlagen findest du weiter unten.
Bevor du an Design oder Preise denkst, entscheidest du, was überhaupt auf die Karte kommt. Das Sortiment ist die Grundlage — es muss zu Betrieb, Zielgruppe und Küchenkapazität passen.
Stell dir vor der Auswahl drei Fragen: Welches kulinarische Profil hat dein Betrieb? Wer bestellt bei dir — und in welcher Situation? Was schafft deine Küche realistisch? Eine ehrliche Antwort führt oft zu einer kürzeren Karte — und zu einem besseren Ergebnis.
Für die meisten kleinen Gastronomiebetriebe reichen drei bis fünf Vorspeisen, sechs bis zehn Hauptgerichte und drei bis fünf Desserts. Tagesgerichte wechseln zusätzlich. Eine fokussierte Karte signalisiert Qualität, verkürzt die Entscheidungszeit und senkt deine Kosten.
👉 Tipp: Weniger Gerichte bedeuten höhere Stückzahlen pro Gericht. Das verbessert deine Einkaufspreise und reduziert Food Waste.
Je nach Betrieb lohnt es sich, das Angebot auf mehrere Karten zu verteilen.
Die Trennung entlastet die Hauptkarte und vereinfacht Updates.
Die Reihenfolge auf deiner Karte entscheidet mit, welche Gerichte bestellt werden. Klassisch ordnest du Gerichte in der Reihenfolge, in der man sie auch isst: Aperitifs und Vorspeisen zuerst, dann Suppen und Salate, anschließend Hauptgerichte, zuletzt Desserts und Digestifs. Diese Reihenfolge entspricht der Erwartung deiner Gäste und erleichtert das Lesen.
Innerhalb einer Kategorie gilt: Die Plätze oben und mittig bekommen die meiste Aufmerksamkeit.
Der Gast scannt deine Karte in wenigen Sekunden. Dabei folgt der Blick einem typischen Muster:
Platzierst du dein profitabelstes Gericht am unauffälligsten Fleck, verschenkst du Umsatz.
Menu Engineering sortiert deine Gerichte nach Beliebtheit und Gewinn. Daraus ergeben sich vier Gruppen:
đź’ˇ Merke: Hebe nie alle Gerichte gleichzeitig hervor. Wenn alles wichtig aussieht, wirkt am Ende nichts mehr wichtig.
Gute Beschreibungen machen Lust auf das Gericht, ohne kitschig oder lang zu sein. Zwei bis drei Zeilen reichen — genug für Hauptzutat, Zubereitung und ein besonderes Detail, kurz genug für einen schnellen Blick. Schreibe in einfacher Sprache. Küchenjargon schreckt Gäste ab, die ihn nicht kennen.
Eine verlässliche Formel: Hauptzutat + Zubereitungsart + ein markantes Detail (Herkunft, Beilage, hausgemacht).
Der zweite Name beantwortet, was auf dem Teller landet — ohne Werbesprache.
Eine Speisekarte verkauft nur dann rentabel, wenn die Preise sauber kalkuliert sind. Psychologie wirkt erst als zweite Ebene — sie verstärkt einen guten Preis, kann aber keinen zu niedrigen retten.
Food Cost bezeichnet den Wareneinsatz eines Gerichts im Verhältnis zum Verkaufspreis. Eine praxisnahe Zielgröße liegt bei 25–35 Prozent.
Beispiel: Ein Gericht mit 3,60 € Wareneinsatz und Zielquote 30 % kommt rechnerisch auf 12,00 € netto. Welche Quote realistisch ist, hängt vom Gericht ab — Getränke vertragen oft niedrigere Quoten, aufwendige Fleischgerichte höhere.
Wenn der Preis steht, kannst du die Darstellung schärfen:
⚠️ Achtung: Preispsychologie ersetzt keine Kalkulation. Wer zu niedrig ansetzt und auf Optik hofft, verliert Geld pro Gericht.
Design soll Orientierung schaffen, nicht ablenken. Zwei Schriftarten, klare Größen, Weißraum und sparsame Farben — mehr braucht eine gut lesbare Speisekarte nicht.
Halte dich an wenige, bewusst gewählte Elemente. Zwei Schriftarten reichen — eine für Überschriften, eine für Fließtext. Die Schriftgröße sollte mindestens 11 Punkt betragen, damit auch bei schwachem Licht gelesen werden kann. Nutze Weißraum aktiv. Eine Karte mit Luft wirkt hochwertiger als eine vollgestopfte. Farben sparsam einsetzen, damit Akzente auch als Akzente wirken.
Bilder gehören nicht automatisch auf jede Karte. In gehobener Gastronomie wirken sie oft störend. In Schnellrestaurants, Cafés oder auf Lieferkarten können sie dagegen die Bestellung erleichtern. Wenn du Bilder einsetzt: professionell fotografiert, einheitlich im Stil, nur für deine Top-Gerichte. Handy-Fotos lenken ab und wirken unruhig.
Beim Format ist eine einseitige A4-Karte robust und gĂĽnstig, eine aufklappbare A3-Karte wirkt hochwertiger. Laminierte Karten sind praktisch bei wechselnden Einlegern; mit feinem Papier und Leineneinband erreichst du mehr Wertigkeit.
Eine Speisekarte muss nicht nur gut gestaltet, sondern auch formal korrekt sein. Die Regeln in Deutschland und Österreich sind ähnlich, aber nicht identisch. Grundlage sind in beiden Ländern die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) sowie nationale Regeln zu Preisangaben.
Der Fokus dieses Abschnitts liegt auf den Punkten, die direkt die Karte betreffen: Preise, Allergene und Zusatzstoffe. Für die vollständige Umsetzung findest du in unserem Wissensbereich eigene Leitfäden zur Allergenkennzeichnung und zum HACCP-Konzept.
⚠️ Achtung: Rechtslagen ändern sich. Prüfe deine Karte regelmäßig und hol bei unklaren Fällen rechtlichen Rat ein.
Auf einer deutschen Speisekarte gelten grundsätzlich folgende Pflichten:
Details zu den 14 Allergenen und den pflichtigen Zusatzstoffen findest du im shoperate-Leitfaden zur Allergenkennzeichnung in Deutschland.
In Ă–sterreich gelten die gleichen EU-Grundlagen, einzelne Punkte sind national anders geregelt.
Für die konkrete Umsetzung in Österreich — inklusive Schulungspflicht und Dokumentation — lies unseren Spezialbeitrag zur Allergenkennzeichnung in Österreich und zum HACCP-Konzept.
Viele Gäste wollen die Karte heute nicht nur gedruckt am Tisch, sondern auch online, mobil oder per QR-Code. Eine digitale Speisekarte ist besonders stark bei Aktualität, Mehrsprachigkeit und schneller Pflege. Preise, Zutaten und Specials änderst du in Minuten, nicht über den Drucker.
Praktisch sinnvoll ist meist eine Hybridlösung: eine klassische Karte am Tisch, ergänzt durch eine digitale Version.
Je häufiger deine Karte wechselt, desto stärker ist der digitale Hebel. Für einen Betrieb mit stabiler Karte reicht oft ein QR-Code ergänzend. Ein Betrieb mit Tageskarte, Saisonkarte und Lieferangebot profitiert dagegen deutlich von einer vollständig digitalen Lösung.
⚡️ Tipp: Auch wenn du digital veröffentlichst, muss eine analoge Alternative verfügbar sein. Nicht jeder Gast hat ein Smartphone oder will scannen.
Wer eine Speisekarte erstellen oder eine Menükarte gestalten will, hat heute die Wahl zwischen kostenlosen Vorlagen, Standardsoftware, spezialisierten Gastrolösungen und KI-Assistenz. Das richtige Werkzeug hängt davon ab, wie oft du die Karte anpasst, wie individuell das Design sein soll und ob du gedruckt oder digital arbeiten willst.
Eine Speisekarte kostenlos online erstellen funktioniert am schnellsten mit einer Vorlage. Canva, Adobe Express und zahlreiche Online-Designer bieten hunderte Speisekarten-Vorlagen, die sich in Minuten anpassen lassen. Auch Word-Vorlagen reichen für einfache Tageskarten. Die Grenze der Gratis-Optionen liegt in der Individualität: Wenn mehrere Betriebe dieselbe Vorlage nutzen, wirkt deine Karte austauschbar. Für die Hauptkarte lohnt sich deshalb ein eigenes Layout oder eine angepasste Vorlage mit deinem Logo und deiner Schriftart.
Wenn du deine Karte häufig änderst oder QR-Codes am Tisch einsetzt, sparen dir spezialisierte Speisekarten-Apps und Gastro-Programme viel Zeit. Vorteile: Preise und Gerichte zentral pflegen, mehrsprachig ausgeben, an Kassensystem oder Bestellsystem anbinden, QR-Code automatisch generieren. Die meisten Anbieter arbeiten mit monatlichen Abokosten.
Für eine markenstarke Hauptkarte lohnt sich oft ein professionell erstelltes Layout. Freie Grafiker liegen meist bei 300–800 Euro, Agenturen ab 800 Euro aufwärts. Du bekommst ein druckfertiges Design in deinem Markenstil, das du später selbst befüllen kannst — ideal, wenn du die Grundoptik lange stabil halten willst.
Künstliche Intelligenz hilft bei Ideen, Texten und Übersetzungen. Sie schreibt Entwürfe für Gerichtsbeschreibungen, schlägt Kategorien vor oder übersetzt die Karte in mehrere Sprachen. Was sie nicht leistet: rechtssichere Angaben zu Allergenen und Zusatzstoffen, deinen Markenton treffen oder deine Kalkulation prüfen. Nutze KI als Textassistenz und kontrolliere jede Ausgabe, bevor sie auf die Karte kommt.
Eine gute Speisekarte entsteht nicht mit dem ersten Entwurf. Verkaufszahlen, Deckungsbeiträge, Gästefragen und saisonale Änderungen zeigen dir laufend, was funktioniert und was nicht. Ein sinnvoller Rhythmus: einmal im Quartal ein kurzer Check, einmal pro Jahr eine größere Überarbeitung.
✅ Alle Gerichte, die du gerade anbietest, sind tatsächlich gelistet.
✅ Endpreise inklusive Umsatzsteuer stehen bei jedem Gericht und Getränk.
✅ Füllmengen bei Getränken (z. B. 0,3 l) sind angegeben.
âś… Allergene sind korrekt gekennzeichnet (DE: Symbole/FuĂźnoten, AT: schriftlich oder mit Hinweis auf mĂĽndliche Info).
✅ Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker sind ausgewiesen.
âś… Tageskarten und digitale Versionen sind auf demselben Stand wie die Hauptkarte.
✅ Schriftgröße mindestens 11 Punkt, auch bei schwachem Licht lesbar.
âś… Keine Tippfehler in Gerichten, Preisen und Allergenhinweisen.
âś… QR-Code (falls vorhanden) fĂĽhrt auf die aktuelle Version.
âś… Druckfreigabe ist dokumentiert, Backup-Datei gespeichert.
Für einfache Karten reichen Word oder PowerPoint. Canva und Adobe Express bieten moderne Vorlagen und flexible Layouts, um eine Speisekarte kostenlos online zu erstellen. Für häufig wechselnde oder digital veröffentlichte Karten lohnen sich spezialisierte Gastro-Tools, die an dein Kassensystem andocken und QR-Codes automatisch erzeugen. KI-Tools sind gute Ergänzung für Textentwürfe, aber kein Ersatz für Layout und Pflichtangaben.
Ja. Canva, Adobe Express und verschiedene Online-Designer bieten kostenlose Vorlagen und Editoren, mit denen du in wenigen Minuten eine brauchbare Speisekarte oder Menükarte gestaltest. Für den Druck fallen dennoch Kosten an, und Gratis-Varianten enthalten manchmal Wasserzeichen oder lizenzpflichtige Schriftarten. Achte beim Export auf ein druckfähiges Format mit mindestens 300 dpi Auflösung.
Die Kosten hängen von Umfang und Anspruch ab. Für eine einfache Karte mit Vorlage rechne mit 50 bis 200 Euro, bei einem freien Grafiker zwischen 300 und 800 Euro. Eine individuelle Markenkarte durch eine Agentur startet meist ab 800 Euro. Dazu kommen Druckkosten, je nach Papier, Auflage und Format. Je häufiger du deine Karte änderst, desto eher lohnt sich ein günstigerer Weg mit eigener Vorlage.
Du legst deine Karte als PDF oder als eigene Online-Seite an und erzeugst anschließend einen QR-Code, der darauf verlinkt. Viele Gastro-Systeme und einfache Online-Generatoren bieten das kostenlos an. Wichtig: Die verlinkte Version muss mobil lesbar sein und bei jeder Änderung aktualisiert werden. Halte zusätzlich eine gedruckte Alternative bereit, damit auch Gäste ohne Smartphone bestellen können.
KI unterstützt dich bei Ideen, Textentwürfen und Übersetzungen, liefert aber keine fertige Karte. Nutze sie für Gerichtsbeschreibungen, Kategorievorschläge, Stilproben und Fremdsprachen. Was sie nicht kann: rechtssichere Angaben zu Allergenen und Zusatzstoffen, die exakte Kalkulation, deinen Markenton und das endgültige Layout. Betrachte KI als Textassistenz und prüfe jede Ausgabe, bevor sie ins finale Menü geht.
Verpflichtend sind Endpreise inklusive Umsatzsteuer, Allergeninformationen nach LMIV und Hinweise auf Zusatzstoffe. Deutschland regelt Preisangaben über die PAngV. In Österreich darf die Allergeninformation schriftlich auf der Karte oder mündlich durch eine geschulte Person erfolgen — im zweiten Fall mit gut sichtbarem Hinweis. Bei Getränken gehört die Füllmenge auf die Karte. Details findest du in unseren Spezialbeiträgen zur Allergenkennzeichnung und zum HACCP-Konzept.

Eine gute Speisekarte ist keine Designfrage, sondern eine Mischung aus Konzept, Kalkulation, Gestaltung und Rechtssicherheit. Wer in dieser Reihenfolge arbeitet — erst Angebot, dann Aufbau, Texte, Preise, Design und Pflichtangaben — bekommt am Ende eine Karte, die führt, verkauft und nicht nachträglich korrigiert werden muss.
Besonders wichtig sind Food-Cost-Logik, saubere Allergen- und Preisangaben nach den Regeln in Deutschland und Österreich sowie eine Kartenstruktur, die profitable Gerichte sichtbar macht. Wer zusätzlich eine digitale Variante einplant, gewinnt an Tempo und Flexibilität bei jeder Änderung.
Betrachte deine Speisekarte als lebendes Dokument. Regelmäßige Datenauswertung, saisonale Updates und ein offener Blick für Gästefeedback sorgen dafür, dass sie auch langfristig ihre wichtigste Aufgabe erfüllt: den Bestellprozess erleichtern und deinen Umsatz steigern.
lg Christian und das Team von shoperate
Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafĂĽr aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
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