Hohe Kosten, knappe Margen und Entscheidungen „aus dem Bauch“ – genau hier setzt die Kostenrechnung an. Sie macht sichtbar, welche Bereiche, Produkte oder Dienstleistungen deinen Gewinn treiben und wo Geld versickert. Mit klaren Zahlen zu Deckungsbeiträgen, Fixkosten und Mindestumsatz triffst du Preis-, Sortiments- und Investitionsentscheidungen deutlich sicherer.

Die Kostenrechnung ist ein Teil des internen Rechnungswesens. Sie zeigt dir, wie viele Kosten in deinem Betrieb anfallen und wofür. Damit erkennst du, ob deine Produkte, Dienstleistungen oder Standorte wirklich Geld verdienen.
In der Praxis beantwortet die Kostenrechnung vor allem drei Fragen:
So hilft dir die Kostenrechnung, Preise zu kalkulieren, wirtschaftlich zu arbeiten und rechtzeitig gegenzusteuern, wenn Kosten aus dem Ruder laufen. Gerade für kleine Betriebe in Österreich ist das wichtig, weil Spielräume oft begrenzt sind.
Oft liest du Begriffe wie Kostenrechnung, Kostenartenrechnung, Kosten- und Leistungsrechnung oder KLR. Im Kern geht es immer darum, betriebliche Kosten systematisch zu erfassen und auszuwerten.
Für deinen Alltag als Unternehmer:in reicht es, wenn du verstehst, dass die Kostenrechnung dir ein klares Bild über deine betrieblichen Kosten gibt. Ob das System im Detail KLR heißt oder nicht, spielt für die Praxis eine untergeordnete Rolle.
Die Finanzbuchhaltung erstellst du vor allem für Finanzamt, Banken und Jahresabschluss. Sie folgt gesetzlichen Regeln und ist auf vergangene Perioden gerichtet.
Die Kostenrechnung arbeitest du dagegen für dich selbst:
💡 Merke: Die Kostenrechnung ist kein gesetzliches Muss, aber ein zentrales Steuerungsinstrument. Ohne sie triffst du Entscheidungen auf Basis von Bauchgefühl statt Zahlen.
Die Aufgaben der Kostenrechnung lassen sich in wenige Kernfunktionen bündeln. Sie sind unabhängig davon, ob du ein Café, einen Friseursalon, einen Handwerksbetrieb oder einen Online-Shop führst.
Zuerst musst du wissen, welche Kosten überhaupt anfallen. Dazu ordnest du deine Ausgaben klaren Kostenarten zu, zum Beispiel:
Die Kostenrechnung hilft dir, diese Kosten:
Damit erkennst du Abweichungen. Steigen zum Beispiel die Personalkosten deutlich schneller als der Umsatz, hast du ein klares Warnsignal.
Ein weiterer zentraler Zweck ist die Kalkulation. Du möchtest wissen:
Die Kostenrechnung liefert dafür die Grundlage. Du erfährst, wie sich deine Kosten auf einzelne Produkte, Kunden oder Aufträge verteilen. So kannst du Preise nicht nur „marktorientiert“, sondern auch kostenorientiert festlegen.
Mit einer funktionierenden Kostenrechnung kannst du fundierte Entscheidungen treffen:
👉 Tipp: Nutze die Kostenrechnung nicht nur für den Jahresrückblick. Entscheidend ist, dass du Zahlen laufend auswertest und für deine Planung nutzt.
Damit du Erklärungen und Beispiele einordnen kannst, brauchst du ein paar Grundbegriffe. Wichtig ist vor allem der Unterschied zwischen Aufwendungen, Kosten und Ausgaben.
Nicht jede Ausgabe ist automatisch eine Kostenposition. Private Entnahmen, Spenden oder außergewöhnliche Schäden sind Aufwendungen, aber keine Kosten der betrieblichen Leistungserstellung. In der Kostenrechnung werden sie ausgeblendet oder korrigiert.
💡 Merke: Die Kostenrechnung betrachtet nur den Teil der Aufwendungen, der für die eigentliche betriebliche Tätigkeit relevant ist.
Die Selbstkosten zeigen, wie viel ein Produkt oder eine Dienstleistung das Unternehmen insgesamt kostet. Sie beinhalten:
Gemeinkosten werden über Umlagen verteilt. Typische Umlageschlüssel sind:
⚠️ Achtung: Umlagen sind immer eine Näherung. Wichtig ist, dass du einen stabilen, nachvollziehbaren Schlüssel nutzt und diesen nicht ständig wechselst.
Die Zielkostenrechnung geht vom Marktpreis aus. Du überlegst zuerst:
Aus dem Zielpreis und der Zielmarge leitest du rückwärts ab, welche Zielkosten maximal anfallen dürfen. Das ist besonders relevant in Branchen mit starkem Wettbewerb oder in der Produktentwicklung.
Die klassische Kostenrechnung gliedert sich in drei Stufen:
Dieses Schema begegnet dir in vielen Lehrbüchern zur Kostenrechnung und bildet den Standardaufbau.
In der Kostenartenrechnung ordnest du alle Kosten nach ihrer Art. Typische Kostenarten:
Wichtig ist eine sinnvolle Detaillierung:
💡 Merke: Für kleine Betriebe reicht oft eine überschaubare Liste von 20–30 Kostenarten, die zu deinem Geschäftsmodell passt.
Die Kostenstellenrechnung beantwortet die Frage: Wo entstehen die Kosten? Eine Kostenstelle ist ein abgegrenzter Bereich im Unternehmen, etwa:
Ziel der Kostenstellenrechnung:
Typische Verteilungsschlüssel:
👉 Tipp: Starte mit wenigen Hauptkostenstellen und ergänze später feinere Unterstellungen, wenn du mehr Transparenz brauchst.
In der Kostenträgerrechnung wird es für die Praxis besonders interessant. Hier ordnest du die Kosten den Kostenträgern zu, zum Beispiel:
Ziel ist, Stückkosten oder Stundensätze zu ermitteln. Dazu werden:
So erkennst du, welche Produkte deine „Gewinnbringer“ und welche eher „Mitläufer“ sind.
Die Kostenrechnung kennt unterschiedliche Rechenverfahren. Für die Praxis besonders wichtig sind:
Die Vollkostenrechnung teilt alle Kosten, also fixe und variable, auf die Kostenträger auf. Ergebnis sind Selbstkosten je Einheit.
Anwendung:
Schwäche: Für kurzfristige Entscheidungen (Rabattaktionen, Zusatzaufträge) kann die Vollkostenrechnung in die Irre führen, weil sie fixe Kosten mit einrechnet, die sich kurzfristig gar nicht verändern.
Die Teilkostenrechnung betrachtet nur die variablen Kosten. Der Unterschied zwischen Erlös und variablen Kosten ist der Deckungsbeitrag.
Formel:
Deckungsbeitrag = Erlös – variable Kosten
Dieser Deckungsbeitrag dient dazu, fixe Kosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften.
Vorteile:
Beispiel:
Solange der Deckungsbeitrag positiv ist und deine Kapazität reicht, kann ein Zusatzauftrag sinnvoll sein, auch wenn der Preis unter den Vollkosten liegt.
Der Break-even-Point ist der Punkt, an dem:
Summe der Deckungsbeiträge = fixe Kosten
Ab hier arbeitet dein Unternehmen kostendeckend. Jeder zusätzliche Euro Deckungsbeitrag erhöht den Gewinn.
⚠️ Achtung: Ohne grundlegende Deckungsbeitragsrechnung bleibt die Frage „Lohnt sich das?“ oft unbeantwortet. Gerade saisonale Betriebe sollten ihren Mindestumsatz kennen.
Theorie ist nur hilfreich, wenn sie sich in der Praxis anwenden lässt. Im Folgenden einfache Beispiele, wie eine einfache Kostenrechnung aussehen kann.
Angenommen, du führst ein kleines Restaurant und möchtest die Kosten eines Hauptgerichts kalkulieren.
Gesamte Gemeinkosten: 20.000 Euro.
Du verkaufst im Monat 2.000 Hauptgerichte.
Gemeinkosten je Gericht:
20.000 Euro / 2.000 Stück = 10 Euro
Selbstkosten je Gericht:
4,50 Euro Einzelkosten + 10 Euro Gemeinkosten = 14,50 Euro
Setzt du einen Zieldeckungsbeitrag von 5,50 Euro an, ergibt sich ein Mindestverkaufspreis von 20 Euro.
💡 Merke: Schon eine einfache Aufteilung auf „Gerichte pro Monat“ zeigt, ob deine Preisstruktur zu den Kosten passt.
Ein kleiner Modehandel möchte prüfen, ob sich ein Produktsegment rechnet.
Deckungsbeitrag pro Stück:
89 – 40 – 4 = 45 Euro
Mindestabsatz zur Deckung der Fixkosten:
8.000 / 45 ≈ 178 Stück
Verkaufst du deutlich weniger als 178 Stück pro Monat, musst du entweder den Preis, die Kostenstruktur oder das Sortiment überdenken.
Im Bau oder Handwerk ist die Stundensatzkalkulation zentral.
Gemeinkosten je produktive Stunde:
200.000 / 10.000 = 20 Euro
Gesamtkosten je Stunde:
25 + 10 + 20 = 55 Euro
Mit einer Zielmarge von 15 Euro pro Stunde ergibt sich ein notwendiger Verrechnungssatz von 70 Euro pro Stunde.
👉 Tipp: Eine saubere Stundensatzkalkulation verhindert, dass du Aufträge unter Kosten annimmst.
Die Kostenrechnung baut auf Zahlen der Finanzbuchhaltung auf, nutzt sie aber anders.
Beispiele:
Üblicher Weg:
So entsteht aus der GuV eine Kostenartenrechnung, die als Grundlage für Kostenstellen und Kostenträger dient.
Viele kleine Betriebe starten mit einer Kostenrechnung in Excel. Das ist völlig in Ordnung, solange die Struktur klar bleibt. Eine gut aufgebaute Kostenrechnung Excel hilft dir, Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger übersichtlich abzubilden, ohne gleich in eine komplexe Software investieren zu müssen.
Sinnvolle Tabellenblätter:
Typische Spalten:
💡 Merke: Halte die Struktur stabil. Häufige Änderungen erschweren Vergleiche zwischen Monaten oder Jahren.
Ein praktikables Schema:
👉 Tipp: Starte mit einem einfachen Schema und ergänze später Details, etwa zusätzliche Kostenstellen oder genauere Umlageschlüssel.
Mit wachsender Unternehmensgröße stößt Excel schnell an Grenzen. Dann hilft eine Kostenrechnung-Software oder ein integriertes System aus Kasse, Buchhaltung und Controlling.
Warnsignale:
In diesen Fällen lohnt sich ein System, das Daten aus Kassensystem, Warenwirtschaft und Buchhaltung automatisch zusammenführt.
Moderne Lösungen bieten:
💡 Merke: Egal ob Excel oder Software – entscheidend ist, dass du deine Kostenrechnung regelmäßig pflegst und aktiv nutzt.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, gibt es viele Möglichkeiten, Kostenrechnung zu lernen.
In Österreich bieten etwa Wirtschaftskammern und Bildungseinrichtungen wie das WIFI Kurse zu:
Solche Kurse sind sinnvoll, wenn du Zahlen selbst interpretieren und einfache Auswertungen eigenständig erstellen willst.
Für den Einstieg reichen oft praxisorientierte Bücher oder Skripten, die mit einfachen Beispielen arbeiten. Wichtig ist:
👉 Tipp: Wenn du wenig Zeit hast, konzentriere dich auf die Themen Kostenarten, Deckungsbeitrag und einfache Kalkulation. Das bringt im Alltag den größten Nutzen.
Die Grundprinzipien der Kostenrechnung sind in allen Branchen gleich, aber Schwerpunkte und typische Kennzahlen unterscheiden sich. Drei Beispiele zeigen, worauf es in der Praxis ankommt.
In der Gastronomie stehen drei Kostenblöcke im Fokus:
Wichtig ist hier vor allem das Verhältnis von Wareneinsatz zu Umsatz. Viele Betriebe arbeiten mit Zielwerten, zum Beispiel:
Über die Kostenrechnung kannst du:
Wenn Wareneinsatz und Personalkosten über den Zielwerten liegen, zeigt dir die Kostenrechnung, ob du bei Einkaufspreisen, Portionsgrößen, Dienstplänen oder Öffnungszeiten ansetzen musst.
Im Handel ist der Wareneinsatz ebenfalls zentral, zusätzlich aber:
Eine einfache Auswertung der Kostenrechnung könnte enthalten:
So erkennst du, welche Produktgruppen deine Fixkosten zuverlässig decken und welche Flächen im Geschäft eigentlich zu wenig abwerfen. Häufig zeigt sich, dass wenige Warengruppen einen Großteil zum Gewinn beitragen, während andere Regalmeter blockieren.
Im Handwerk und Bau geht es stark um Arbeitsstunden und Maschineneinsatz. Ohne saubere Stundensatzkalkulation ist kaum erkennbar, ob ein Auftrag kostendeckend ist.
Die Kostenrechnung hilft dir dabei:
Praktisch bewährt haben sich:
💡 Tipp: In allen drei Branchen gilt: Lieber mit wenigen, klaren Kennzahlen starten (z. B. Deckungsbeitrag je Warengruppe, Stundensatz, Wareneinsatzquote) als mit einer theoretisch perfekten, aber im Alltag nicht gepflegten Kostenrechnung.
Eine funktionierende Kostenrechnung muss nicht perfekt sein, aber sie muss im Alltag nutzbar sein. Gerade kleine Betriebe scheitern weniger an der Theorie als daran, dass niemand Zeit findet, komplizierte Systeme zu pflegen. Mit einem klaren, schlanken Vorgehen kannst du deine Kostenrechnung in wenigen Schritten aufbauen.
Bevor du mit Tabellen oder Software startest, solltest du klären:
💡 Merke: Je klarer definiert ist, wer welche Zahlen wann liefert, desto geringer ist das Risiko, dass deine Kostenrechnung nach ein paar Monaten „einschläft“.
Im ersten Schritt erstellst du eine Kostenartenliste, die zu deinem Betrieb passt. Ausgangspunkt ist meist die Kontenübersicht der Buchhaltung.
Vorgehen:
Ziel ist eine schlanke, aber aussagekräftige Liste, mit der du:
👉 Tipp: Wenn du unsicher bist, ob du eine Kostenart trennen sollst, frage dich: „Würde ich auf Basis dieser Information Entscheidungen treffen?“ Nur dann lohnt die zusätzliche Detailtiefe.
Im zweiten Schritt definierst du Kostenstellen, also Bereiche, in denen Kosten entstehen. Starte bewusst einfach.
Beispiele:
Für jeden Bereich überlegst du:
Danach kannst du:
⚠️ Wichtig: Halte die Anzahl der Kostenstellen überschaubar. Drei bis fünf Hauptkostenstellen sind für viele kleine Unternehmen völlig ausreichend.
Im dritten Schritt bestimmst du, welche Kostenträger du auswerten möchtest. Das sind typischerweise:
Wichtig ist, dass du nur so weit ins Detail gehst, wie du die Daten auch verlässlich erfassen kannst.
Praktische Varianten:
💡 Merke: Lieber wenige, aber saubere Kostenträger mit guten Daten, als viele theoretische Kostenträger mit Lücken und Schätzungen.
Sind Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger definiert, geht es an die Auswertung. Zu Beginn reichen wenige Kennzahlen:
Vorgehen in der Praxis:
Über mehrere Monate hinweg erkennst du:
👉 Tipp: Lege dir ein Standard-Reporting an, das jeden Monat gleich aufgebaut ist. So kannst du Zeitreihen vergleichen, statt jeden Monat „neu zu erfinden“, welche Auswertungen interessant sind.
Die beste Kostenrechnung bringt nichts, wenn die Ergebnisse nicht genutzt werden. Baue dir einen einfachen Rhythmus:
So wird die Kostenrechnung Schritt für Schritt zu einem festen Bestandteil deines Unternehmensalltags, statt zu einem einmaligen Projekt, das in der Schublade verschwindet.
Viele Unternehmen scheitern nicht an komplizierten Formeln, sondern an einfachen Grundfehlern.
Hoher Umsatz ist kein Garant für Gewinn. Wenn du variable und fixe Kosten nicht im Blick hast, können stark wachsende Umsätze sogar Verluste vergrößern.
Wenn alle Kosten in wenigen Sammelpositionen landen, liefern Auswertungen kaum Erkenntnisse. Du siehst zwar den Gesamtaufwand, aber nicht, welcher Bereich teuer ist.
💡 Merke: Kostenarten sollten so fein sein, dass du Maßnahmen ableiten kannst, aber nicht so fein, dass niemand mehr den Überblick hat.
Eine Kostenrechnung, die du einmal im Jahr erstellst, bringt dir wenig. Entscheidend ist, dass du:
Rabatte „aus dem Bauch“ oder Aufträge „um jeden Preis“ können gefährlich sein. Ohne Kenntnis des Deckungsbeitrags ist unklar, ob ein Auftrag überhaupt zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
👉 Tipp: Berechne für deine wichtigsten Produkte oder Leistungen zumindest grob den Deckungsbeitrag. So triffst du Preis- und Sortimentsentscheidungen deutlich sicherer.
Eine gute Kostenrechnung ist kein Selbstzweck und auch keine reine Zahlenübung. Sie soll dir als Unternehmer:in helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.
Wesentliche Merkmale:
Wenn du diese Grundlagen sauber aufbaust, wird die Kostenrechnung zu einem praktischen Steuerungsinstrument – egal ob im Restaurant, im Salon, im Handel oder im Bau- und Dienstleistungsbereich.
Kostenrechnung ist ein Teil des internen Rechnungswesens. Sie ermittelt systematisch, welche Kosten im Betrieb anfallen und wie sie sich auf Bereiche, Produkte oder Dienstleistungen verteilen. Im Unterschied zur Finanzbuchhaltung geht es nicht darum, einen Jahresabschluss für das Finanzamt zu erstellen, sondern um eine Entscheidungsgrundlage für dich als Unternehmer:in. Dazu werden alle betrieblichen Aufwendungen in Kostenarten gegliedert, auf Kostenstellen verteilt und schließlich den Kostenträgern zugeordnet. So lässt sich erkennen, welche Angebote profitabel sind und wo Geld verloren geht. Kurz gesagt: Die Kostenrechnung übersetzt deine Ausgaben in verständliche Kennzahlen und zeigt dir, wie wirtschaftlich dein Unternehmen wirklich arbeitet.
Die Kostenrechnung hat drei Hauptaufgaben: Erstens erfasst sie alle Kosten, die mit der betrieblichen Leistungserstellung zusammenhängen, und ordnet sie übersichtlich zu. Zweitens unterstützt sie die Planung, indem Soll-Kosten mit tatsächlichen Ist-Kosten verglichen werden. Du erkennst so Abweichungen und kannst gezielt gegensteuern, etwa bei Personalkosten oder Wareneinsatz. Drittens liefert sie die Basis für Kalkulation und Controlling: Auf Basis der Kosten kannst du Preise festlegen, Deckungsbeiträge berechnen und entscheiden, ob ein Produkt, ein Auftrag oder ein Standort fortgeführt, angepasst oder eingestellt werden soll. Damit wird die Kostenrechnung zu einem zentralen Steuerungsinstrument im Unternehmen.
In die Kostenrechnung fließen alle Aufwendungen ein, die mit der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit zusammenhängen. Dazu gehören typischerweise Material- bzw. Wareneinsatz, Löhne und Gehälter inklusive Lohnnebenkosten, Miete, Energie, Abschreibungen, Zinsen, Versicherungen, Fuhrpark- und Verwaltungskosten. Nicht berücksichtigt werden Aufwendungen, die nichts mit der Leistungserstellung zu tun haben, zum Beispiel Spenden, private Entnahmen oder außergewöhnliche Schäden. Solche Positionen bleiben in der Finanzbuchhaltung, werden aber für die Kostenrechnung herausgefiltert oder angepasst. Zusätzlich können sogenannte Zusatzkosten angesetzt werden, etwa ein kalkulatorischer Unternehmerlohn oder kalkulatorische Miete, um ein realistisches Bild der Wirtschaftlichkeit zu erhalten.
Selbstkosten sind die gesamten Kosten, die einem Unternehmen für ein Produkt, eine Dienstleistung oder einen Auftrag entstehen. Sie setzen sich aus Einzelkosten und Gemeinkosten zusammen. Einzelkosten lassen sich direkt einem Kostenträger zuordnen, zum Beispiel der Materialeinsatz für ein bestimmtes Produkt. Gemeinkosten fallen für mehrere Produkte oder Bereiche gleichzeitig an, etwa Miete oder Verwaltung, und müssen über Umlageschlüssel verteilt werden. Die Summe aus Einzel- und Gemeinkosten pro Stück oder pro Stunde ergibt die Selbstkosten. Sie sind wichtig, um langfristige Preisuntergrenzen zu bestimmen und zu prüfen, ob ein Angebot die Kosten deckt und noch Spielraum für Gewinn oder Rabatte lässt.
Umlagen sind Verteilungsschlüssel, mit denen Gemeinkosten auf Kostenstellen und Kostenträger verteilt werden. Da viele Kosten nicht direkt einem Produkt zugeordnet werden können, brauchst du Regeln, wie zum Beispiel Quadratmeter für Mietkosten, Mitarbeiterzahl für Verwaltungskosten oder Maschinenstunden für Maschinenkosten. Diese Schlüssel sollen möglichst gut abbilden, wo die Kosten tatsächlich verursacht werden. In der Praxis wählst du einfache, nachvollziehbare Umlagen, die du über längere Zeit stabil hältst. So bleiben deine Auswertungen vergleichbar und zeigen Trends. Umlagen sind immer eine Annäherung, aber ohne sie wäre eine verursachungsgerechte Kostenzuordnung in den meisten Betrieben kaum möglich.
Kostenrechnung ist wichtig, weil sie dir zeigt, ob dein Geschäftsmodell tragfähig ist und welche Teile deines Angebots zum Erfolg beitragen. Ohne strukturierte Kostenrechnung siehst du zwar Umsatz und Gewinn in der GuV, aber nicht, welche Produkte, Dienstleistungen oder Standorte rentabel sind. Du würdest Preise, Rabatte oder Öffnungszeiten oft aus dem Bauchgefühl heraus festlegen. Mit einer funktionierenden Kostenrechnung erkennst du, ob deine Deckungsbeiträge ausreichen, wie hoch dein Fixkostenblock ist und welchen Mindestumsatz du brauchst. Dadurch kannst du rechtzeitig reagieren, wenn Kosten steigen oder Nachfrage sinkt, und triffst fundierte Entscheidungen statt Vermutungen.
Der Betriebsabrechnungsbogen, kurz BAB, ist ein tabellarisches Hilfsmittel der Kostenstellenrechnung. Im BAB werden Gemeinkosten zunächst nach Kostenarten erfasst und anschließend auf die einzelnen Kostenstellen verteilt. In den Spalten stehen die Kostenstellen, in den Zeilen die Kostenarten. Mithilfe von Umlageschlüsseln, zum Beispiel Quadratmeter, Mitarbeiterzahl oder Maschinenstunden, werden die Beträge aufgeteilt. Am Ende erhält jede Kostenstelle ihren Anteil an den Gemeinkosten und es lassen sich Gemeinkostenzuschlagssätze berechnen. Diese Zuschlagssätze nutzt du später in der Kostenträgerrechnung, um Produkte oder Aufträge mit einem fairen Anteil an den Gemeinkosten zu belasten und so realistische Selbstkosten zu ermitteln.
Für kleine Betriebe sind Umlagen und Selbstkosten die Brücke zwischen „gefühlten“ und tatsächlichen Kosten. Umlagen sorgen dafür, dass gemeinsame Kosten wie Miete, Strom oder Verwaltung sinnvoll auf Bereiche verteilt werden, auch wenn du kein komplexes Controlling-System hast. Selbstkosten zeigen dir, wie teuer eine konkrete Leistung oder ein Produkt wirklich ist, wenn alle relevanten Kostenanteile berücksichtigt werden. Gerade in Branchen mit hohem Wareneinsatz oder stark schwankender Auslastung, etwa Gastronomie oder Beauty, hilft dieser Blick auf Selbstkosten, unprofitable Angebote zu erkennen und bewusst zu entscheiden, welche Preise, Aktionen oder Sortimentsteile du dir leisten kannst.

Kostenrechnung in 5 Punkten:
✅ Kurz gesagt: Eine gut aufgebaute Kostenrechnung macht deine Kosten transparent, stärkt deine Preisgestaltung und liefert dir jeden Monat bessere Entscheidungsgrundlagen.
lg Christian und das Team von shoperate
Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafür aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
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